May 052013
 

Nun also der etwas verspätete Bericht zu meiner zweiten Konferenzreise innerhalb von zwei Wochen. Anfang April ging es am Sonntag zuerst mit dem Fernbus nach Berlin und dann auf einem etwas unruhigen Flug direkt nach Paris. Dort suchten wir erst einmal das Hotel, das im Nordwesten der Innenstadt an der Metro-Station Porte de la Villette lag, kurz vor Beginn der Vororte (Banlieue). Aus Sightseeing-Sicht eine eher schlechte Ausgangslage, die uns in den kommenden Tagen viel Aufenthalt in der Pariser Metro verschaffte, für die Konferenz jedoch ideal. Der Konferenzort, das Museum für Wissenschaft und Industrie, befand sich quasi im Hinterhof des Hotels, wir hatten also keine 2 Minuten Anreiseweg. Das Museum ist auf interaktive Wissensvermittlung spezialisiert, ähnlich wie das Hygienemuseum in Dresden. Architektonisch ist es leider eine Katastrophe. Ich werde nie verstehen, warum Architekten bei Wissenschaft immer sofort an Sichtbeton und freiliegende Stahlträger, Glasfassaden und schreiende Farben denken. Fürchterlich.

  
Links: Das Hotel. Rechts: Nur im Dunkeln einigermaßen nett anzusehen – das Museum für Wissenschaft und Industrie.

 

Montmartre und Sacre Coeur

Am Sonntagabend machten wir erstmal einen kleinen Spaziergang nach Montmartre. Wobei “klein” hierbei etwa zwei Stunden meint. Auf dem Weg gab es einen schönen und auch mal weniger schönen Querschnitt durch die Pariser Alltagsarchitektur zu sehen. Von schön restaurierten Jugendstilhäusern über die Hochhäuser der Banlieue, hässlichen Funktionsbauten und Fabrikhallen war alles dabei. In Montmartre dominieren dabei natürlich die sanierten und detailverliebt verzierten Altbauten aus dem 19. sowie dem beginnenden 20. Jahrhundert, schließlich ist es eines der teuersten Stadtviertel im ohnehin schon teuren Paris. (Irgendwoher hörte ich die Hausnummer von 1000€ Kaltmiete für ein 13-Quadratmeterzimmer ohne Bad.) Das Viertel befindet sich im nördlichen Innenstadtbereich auf dem gleichnamigen Hügel, der mit 130m höchsten natürlichen Erhebung in Paris. Die Häuser sind durch kleine, vor sich hin mäandernde und in ihrem Verlauf nicht immer ganz nachvollziehbare Gässchen getrennt. Letztlich nicht viel anders als in anderen europäischen Altstädten wie in Wien oder Görlitz. Nicht umsonst werden Filme, die im Paris des 19. Jahrhunderts spielen, auch gerne in Görlitz gedreht.

  

 
Auch die Restaurants sind dort oben sauteuer, wie wir auf der Suche nach einer Abendbrot-Gelegenheit feststellten. Letztlich wurde es dann für mich nur ein (allerdings satt machender) Hotdog und ein Crepes für insgesamt 6 €.
Anschließend näherten wir uns von Osten aus der Sacre Coeur, der berühmten Kirche auf der Spitze des Montmartre. Es war inzwischen schon dunkel, so dass die Bilder aufgrund der langen Belichtungszeit und des fehlenden Stativs teilweise etwas verwackelt sind. Die Kirche selbst ist sowohl außen als auch innen sehr schön gestaltet. Sie wird auch noch als Gotteshaus genutzt. Bei unserer Ankunft beteten gerade eine paar Nonnen zusammen mit einigen Gläubigern und sangen dabei.

  
  
Verschiedene Detailansichten der Sacre Coeur.

 
Auf dem Vorplatz südlich der Sacre Coeur boten Straßenverkäufer allerlei Schnickschnack an, so wie überall im Umfeld der großen Sehenswürdigkeiten. Von dort hat man auch einen schönen Blick auf Paris, wobei bei unserem nächtlichen Besuch vor allem der Eiffelturm aus dem Dunkel herausstach, der nachts aufwendig und nicht unbedingt geschmackssicher beleuchtet wird. So kreist beispielsweise auf der Spitze des Turms immer ein Scheinwerfer und verbreitet den Eindruck von Diskobeleuchtung oder Flugabwehr.

  
Links: Sacre Coeur. Rechts: Die französische Flugabwehr Der Eiffelturm bei Nacht.

 
Auf dem Rückweg nahmen wir dann die berühmten Treppen zu (bzw. von) der Sacre Coeur. Fußschwache oder faule Leute können auch die danebenliegende Standseilbahn nutzen, die die 36 Höhenmeter auf einer Strecke von 108 Metern in anderthalb Minuten überwindet. Am Fuße der Treppen deckte ich mich dann erst einmal mit Postkarten ein, die ich mangels Briefmarken aber erst am Abreisetag verschicken konnte. Ins Hotel zurück ging es dann aber doch mit der Metro, wir waren an diesem Tag schon genug gelaufen.
 

Vom Arc de Triomphe zum Louvre

Am Montag begann dann offiziell die Konferenz im Museum für Wissenschaft und Industrie. Die Konferenzausrichter haben dort einen Teil ihrer Labore untergebracht und können so auf Museumsbesucher als Versuchspersonen zurückgreifen – eine clevere Idee. Nach der Konferenz fuhren wir mit der Metro zum Arc de Triomphe und liefen dann die Champs Elysees hinunter in Richtung Louvre. Die Champs Elysees ist vor allem eine viel befahrene und entsprechend laute Verkehrsstraße und Einkaufsmeile. Hübsch ist sie eigentlich nur aus der Ferne, beispielsweise wenn man im Nachtdunkel die Vorder- und Rücklichter der Verkehrskarawane vor dem angestrahlten Arc de Triomphe leuchten sieht.

  
  

 
Auf Höhe des Invalidendoms bogen wir dann noch einmal in Richtung Seine ab, um eine der schönsten Brücken Paris’ zu sehen: Die Pont du Alexandre III, ein Geschenk des gleichnamigen russischen Zaren. Von hier aus konnte man – wie auch schon vom Triumphbogen – einen Blick auf den Eiffelturm erhaschen, der sich nicht weit entfernt erhob.

    
  

 
Nach diesem kleinen Abstecher kehrten wir auf unsere ursprüngliche Route zurück und erreichten schließlich den Place de la Concorde mit dem darauf stehenden Obelisken von Luxor. Der Obelisk ist 3300 Jahre alt und stand ursprünglich am Eingang des Tempels von Luxor in Theben. Sein Bruder steht auch immer noch dort, er jedoch wurde im Jahre 1836 als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an den französischen König nach Paris gebracht.

  

 
Inzwischen hatte sich die Nacht über Paris gelegt. Als wir nun auf dem Place de la Concorde standen, wurde die Beleuchtung des Eiffelturmes, der auch von hier zu sehen ist, eingeschaltet. Was soll man sagen? Es ist eine ziemliche Lichtershow, mit dem schon beschriebenen Flak-Scheinwerfer und vielen ständig aufblinkenden Lichtern rund um die Stahlkonstruktion. Das Ganze könnte so problemlos auch in Las Vegas stehen. Ob das aber die angemessene Art und Weise ist, so ein Baudenkmal in Szene zu setzen, darf getrost bezweifelt werden.

  

 
Vom Place de la Concorde kann man eigentlich durch den Jardin des Tuileries, einen ehemaligen Schlosspark, direkt auf den Louvre zulaufen. Leider war der zu so später Stunde schon geschlossen, so dass wir an seinen Außenmauern entlang gehen mussten. Am Louvre machten wir noch einige Fotos, bevor es mit der Metro zurück zum Hotel ging.

    
Links: Der verschlossene Jardin des Tuileries. Mitte: An seinen Außenmauern. Rechts: Louvre.

 

Der Eiffelturm

Der Plan für den Dienstag sah vor, den Rodinpark in der Nähe des Invalidendoms zu besuchen, dann zum und auf den Eiffelturm zu gehen und auf dem Rückweg noch einmal in den Invalidendom hineinzuschauen, indem sich das Grab Napoleons befindet. Letztlich war der Rodinpark schon geschlossen, als wir dort nach Ende der Konferenz auftauchten. Wir machten aber zumindest ein paar Außenaufnahmen des Invalidendoms und des vorgelagerten Parks und gingen dann über den Champs de Mars in Richtung Eiffelturm.

  
Invalidendom.
  
Eiffelturm.

 
Da ich für die am Sonntag gekauften Postkarten noch Briefmarken brauchte, suchte ich zuerst das sich dort befindende “Postamt im Eiffelturm” auf. Leider bestand das nur noch aus einem Selbstbedienungsautomaten in einem kleinen Raum in einem der Füße des Turms, der zu allem Überfluss auch keine Briefmarken mehr ausgab.

Wir entschieden uns, bis zur zweiten Plattform die Treppen zu nehmen. Das Wetter war wechselhaft und zeitweise bekamen wir etwas Regen ab, aber wir kamen recht schnell vor- beziehungsweise aufwärts. Das Wetter sorgte schließlich sogar dafür, dass wir auf dem Weg von der ersten zur zweiten Plattform einen wunderschönen durchgängigen Regenbogen sehen konnten, der sich schließlich sogar zum Doppelregenbogen entwickelte.

  

 
Der Weg auf die Spitze des Eiffelturms führt nur über einen Fahrstuhl, der noch einmal 6 € kostet (zusätzlich zu den 5 € für die Benutzung der Treppen). Aufgrund der Uhrzeit, des Wetters und eines rasch zunehmenden Hungergefühls brachen wir den Aufstieg daher ab. Den Invalidendom zu besuchen hätte sich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gelohnt, so dass dieser Programmpunkt auch ausfiel. Auf dem Rückweg kauften wir in einem Supermarkt dann noch standesgemäß Baguette und Weintrauben, die wir im Hotel zum Abendbrot aßen. Und weil es so schön war, noch ein paar Bilder vom Eiffelturm und vom Eiffelturm:

    
  
  

 

Der Louvre – erster Versuch

Der Mittwoch war durchgängig regnerisch, es war also ideales Museumswetter. Wie gut, dass wir uns den Louvre für heute aufgehoben hatten. Als wir dort nach der Konferenz jedoch eintrafen, folgte die böse Überraschung: Ausgerechnet heute hatte sich das Wachpersonal entschlossen, die städtischen Museen zu bestreiken. Offiziell forderten sie mehr Personal, um der gestiegenen Zahl an Taschendiebstählen entgegenwirken zu können. Wir glaubten jedoch, dass sie einfach das Champions-League Viertelfinale Paris St. Germain gegen FC Barcelonsa sehen wollten, das an diesem Abend stattfand. Damit verband sich unsere Hoffnung, dass der Streik sich nicht auf den nächsten Tag – unseren Abflugtag – ausweiten würde und wir den Donnerstagvormittag vielleicht noch einmal für einen Besuch nutzen könnten.

Einstweilen ging es aber erst einmal wieder hinaus in den Nieselregen und in Richtung der Île de la Cité, dem ältesten Teil Paris, gelegen auf einer Insel mitten in der Seine. Vorbei kamen wir dabei auch an der Pont du Carrousel, an deren Brückengeländer verliebte Paare Schlösser als Beweis der Ewigkeit ihrer Liebe hinterlassen (die dann von Zeit zu Zeit von den Behörden wieder abgeräumt werden).

  

 
Auf der Île de la Cité findet man unter anderem auch die bekannte Notre Dame. Diese wird dieses Jahr 850 Jahre alt und die Franzosen haben sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie haben auf dem Vorplatz der Notre Dame eine riesige himmelblaue Konstruktion aufgebaut, in der unter anderem von der Geschichte der Kirche berichtet wird. Dummerweise ist der Blick auf die Kirche damit verbaut – aber bei dem Regen wären ohnehin keine brauchbaren Fotos drin gewesen.

  
Links: Île de la Cité. Rechts: Notre Dame.

 
Schließlich hielten wir es draußen nicht mehr aus und flohen vor dem stärker werdenden Regen in eine kleine Creperie neben der Notre Dame, wo wir zu Abend aßen. Hier machte ich die Bekanntschaft mit einer entzückenden Restaurantkatze, die sich spontan in mich verliebte und nicht mehr von meiner Seite wich, bis es dem Kellner zu bunt wurde und er sie verscheuchte. Auf dem Rückweg schauten wir dann nochmal in den Louvre rein, dessen Foyer noch offen war (nur die Ausstellungen waren vom Streik betroffen) und machten das obligatorische Foto von der umgedrehten Pyramide.

  
Links: Meine neue Freundin. Rechts: Die umgedrehte Pyramide im Louvre.

 

Der Louvre – zweiter Versuch

Glücklicherweise war der Louvre am Donnerstag geöffnet (St. Germain hatte 2:2 gespielt) und wir konnten dort den Vormittag verbringen, bevor unser Flieger um halb vier nachmittags abhob. Unerwarteterweise konnten wir sogar unser Gepäck mit hinein nehmen, es gibt dort extra einen kostenlosen Aufbewahrungsservice. Auch ein Postamt ist vorhanden, ich konnte also endlich meine Postkarten loswerden. Der Louvre, ehemaliger Königspalast und jetzt eines der berühmtesten Museen der Welt, ist architektonisch ziemlich beeindruckend. Die Ausstellungen sind auch riesig, aber aufgrund der gerademal drei Stunden, die wir dort zugebracht haben, kann ich mir über die Qualität kein fundiertes Urteil erlauben.

  
Links: Deckengestaltung. Rechts: Ausstellungsraum.
  
Deckengestaltung.

 
Wir haben die drei wichtigsten Kunstwerke gesehen – Mona Lisa, Nike und Venus von Milo – und sind dann einmal quer durch die verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte gewandert. Zwischendurch hat man auch immer mal wieder Künstler gesehen, die ein bestimmtes Bild abgemalt haben. Da alle dafür die gleiche Ausrüstung nutzten, wird diese vielleicht sogar vom Louvre bereitgestellt. Ich muss mich wohl mal erkundigen, was man tun muss, um da mitzumachen. ;)

  
Links: Die Nike von Samothrace (2100 Jahre alt). Rechts: Auf dem Weg zur Mona Lisa.
  
Links: Die Mona Lisa. Rechts: Die Rückseite der Mona Lisa.
  
Links: Die Venus von Milo. Rechts: Die Kopie eines Gemäldes.
  
Links: Ein Foto von einem Gemälde aus dem Louvre, das einen Maler im Louvre beim Abmalen eines Gemäldes aus dem Louvre zeigt – wie kompliziert. Rechts: Blick auf den Eingang.

 
Den Flughafen erreichten wir kurz vor Schluss des Check-Ins. Für zwei Drittel von uns hatte das eine Hochbuchung in die Premium Economy zur Folge (mit einer richtigen Mahlzeit statt nur einem Keks :) ), eine Kollegin musste sich aber leider in die letzte Reihe setzen, weil der Check-In bei ihr angeblich schon geschlossen gewesen sei und wieder aufgemacht werden musste. In Berlin erreichten wir trotz eines recht knappen Zeitfensters pünktlich unseren Bus nach Dresden und waren dann gegen 21 Uhr wieder daheim.

Das Fazit

Mein Allgemeineindruck: Paris ist eine sehr schöne Stadt. Sowohl architektonisch als auch von den Menschen her. ;) Die meisten sind höflich und die melodische Sprache tut ihr Übriges zum Wohlbefinden (“Pardon” klingt einfach schöner als “Machen se mal Platz.”). Insgesamt scheint man aber auch ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis zu haben. Fast überall gibt es mannshohe Zäune vor Wohnanlagen, viel Security und sogar patroullierende Soldaten in der Metro. Vor dem Aufstieg auf den Eiffelturm muss man sich einer Taschenkontrolle unterziehen und durch einen Metalldetektor gehen (andererseits wird man auch einfach durchgewunken, wenn es – natürlich nur wegen der Gürtelschnalle – piepst) und im Louvre werden mitgebrachte Taschen standardmäßig gescannt.
Essen und Wohnen ist in Paris teuer, aber nicht unbedingt gut. Der Besuch von Sehenswürdigkeiten geht auch ganz schön ins Geld. Da bleibt dann auch nicht mehr viel übrig, was man den Straßenmusikern geben könnte, die sich in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder auch mal in Regionalbahn und Metrowagen einfinden.
Insgesamt aber dennoch eine Stadt, in der man es durchaus auch mal länger als ein paar Tage aushalten kann – wenn man denn die Sprache spricht. Denn wie oft in Frankreich, so gilt auch hier: Selbst wenn die Leute Englisch verstehen, weigern sie sich oft, es zu sprechen. Wie dem auch sei: Ich hab jetzt erstmal begonnen, Französisch zu lernen. Und wir werden mal sehen, wann und wie lange die Stadt mich wiedersieht. :)

Links:
Weitere Fotos aus Paris.

Apr 052013
 

Letzte Woche fand nun endlich die schon lange angekündigte Konferenz in Wien statt. Nach fünfeinhalbstündiger Fahrt durch das verschneite Sachsen und das verschneite Tschechien sowie das verschneite Niederösterreich kamen wir schließlich im verschneiten Wien an. Das Wetter sollte sich in den nächsten Tagen nicht ändern. Erst als meine Kollegen abgereist waren und mich mit meinen zwei weiteren Tagen Urlaub zurückließen, besserte es sich spürbar. Daher lassen sich auch alle geschossenen Fotos zeitlich sehr gut einordnen: Schnee und wolkenverhangener Himmel sprechen für eine Aufnahme von Sonntag bis Mittwoch, Bilder mit Sonne und ohne Schnee stammen von Donnerstag oder Freitag.

Wir waren in einer Ferienwohnung im 7. Bezirk untergebracht. Die Bezirksverteilung in Wien sieht wie folgt aus: In der Mitte, wo sich der Großteil der Sehenswürdigkeiten und die Touristenmassen befinden, ist der erste Bezirk. Darum herum gruppieren sich die einstelligen Bezirke und dort herum, in der Peripherie, noch einmal die Zweistelligen. Wir waren also vergleichsweise zentral untergebracht und hatten bis zur Uni, die sich im ersten Bezirk befand, nur etwa eine halbe Stunde Fußweg zu bewältigen.

Die Ferienwohnung befand sich in einem Altbau über einer Gaststätte und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Selbst die für Psychologen gerade im freudschen Wien unabdingbare rote Couch war vorhanden. Die Unterbringung im Altbau war dabei jedoch keine Besonderheit, etwas anderes scheint es in Wien nicht zu geben. Ich habe nirgendwo Neubaublöcke gesehen, wie sie in Deutschland überall zu finden sind. Das mag auch daran liegen, dass sie Stadt vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb und in der Nachkriegszeit daher nicht schnell viel Wohnraum geschaffen werden musste. In Wien kann man sogar noch original Flak-Türme besichtigen, deren Sprengung kurz nach dem Krieg an den Unmassen von verbautem Beton und der daraus resultierenden Widerstandskraft scheiterte (zumindest etwas, was in Österreich einmal Widerstand geleistet hat …).

  

 
Die Stadt selbst hat auf mich den Eindruck einer großen Ausgabe von Görlitz gemacht. Die Straßenzüge bestehen aus unsanierten, aber gut erhaltenen Gründerzeithäusern, die an schmalen Gassen stehen (namenstechnisch besteht Wien nur aus “Gassen” und “Ringen”, “Straßen” treten allenfalls in homöopathischen Dosen auf). Wien ist zudem die gefühlte Königin der Einbahnstraßen, was wohl der Grund ist, warum der ÖPNV sehr gut ausgebaut und stark frequentiert ist. In Bezug auf die Wohnhäuser hat mich ein wenig verwundert, dass das Konzept der Doppelglasfenster weitgehend unbekannt zu sein scheint. Dabei sollte sich das doch gerade in dieser Region durchaus auf die Heizkosten auswirken.

  
  

 
Die Konferenz fand an der Universität Wien statt, der ältesten (seit 1365) und größten (91.000 Studenten) Universität im deutschsprachigen Raum. Zudem ist sie die “internationalste” Uni Zentraleuropas, mit nach eigenen Angaben 25% ausländischen Studierenden und 80% ausländischen Mitarbeitern. Das Hauptgebäude selbst ist eine Sehenswürdigkeit. Es entstand in der Epoche des Historismus und ist stilistisch an die Renaissance angelehnt. Innerhalb des Gebäudes gibt es einen Arkadenhof, an dessen Mauern die Büsten und Reliefs von über 150 Wiener Gelehrten zu finden sind.

  
  

 
Ein Großteil der “klassischen” Sehenswürdigkeiten befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Uni-Hauptgebäudes. Nördlich schließt sich die gotische Votivkirche an, in der vor einigen Monaten die Mitglieder eines österreichischen Flüchtlings-Protestcamps Zuflucht suchten. Südlich liegen das dem Gotischen nachempfundene Rathaus (mit brauchbarer Blickachse auf das Burgtheater direkt gegenüber) sowie das Parlament (alt-griechischer Stil).

  
Links: Votivkirche. Rechts: Rathaus vom Heldenplatz aus gesehen.
  
Links: Burgtheater. Rechts: Österreichisches Parlament

 
Schräg gegenüber vom Parlament findet man dann schon die Hofburg, die entgegen des Namens keine Burg irgendwo auf einem Berg ist, sondern ein Komplex aus Gebäuden und Plätzen mitten in der Stadt. Die Hofburg war etwa sechs Jahrhunderte lang die Residenz der Habsburger in Wien. 1938 erklärte Hitler am in ihr befindlichen Heldenplatz den “Anschluss” Österreichs ans Deutsche Reich (siehe dazu auch Thomas Bernhard: Heldenplatz). Seit 1945 sind hier der Sitz des österreichischen Bundespräsidenten sowie diverse Museen und die Nationalbibliothek untergebracht. Auch die berühmte Spanische Hofreitschule befindet sich hier. Südlich der Hofburg schließt sich die Oper und der Naschmarkt an. Etwas nordöstlich findet man den Stephansdom.

  
Links: Äußeres Burgtor. Rechts: Heldenplatz mit Blick auf die Neue Burg.
  
Links: Michaelertrakt. Rechts: Blick in die Kuppel.
  
Links: Oper. Rechts: Stephansdom.

 
All diese Sehenswürdigkeiten hab ich zumindest von außen gesehen. Nicht geschafft hab ich den Wiener Prater (eine Parklandschaft mit integriertem Vergnügungspark), der aber bei dem nasskalten Wetter wahrscheinlich ohnehin keinen Spaß gemacht hätte. Ich ärgere mich mehr darüber, dass ich keins der von Hundertwasser gestalteten Häuser zu Gesicht bekommen habe. Zu nennen wären hier vor allem das Hundertwasser-Krawina-Haus und die Müllverbrennungsanlage Spittelau, wobei ich letztere zumindest kurz bei unserer Ankunft erspähte, bevor sie von der Dämmerung verschluckt wurde.

Neben der bekannten Kaffeekultur (ich habe VIEL Kaffee getrunken in diesen Tagen) hat Wien auch kulinarisch einiges zu bieten. Gegessen habe ich beispielsweise das berühmte Wiener Schnitzel. Das gibt es entweder im Original aus Kalbfleisch oder in der günstigeren Touri-Variante aus Schwein oder Huhn. Serviert wird es ohne Soße, sondern nur mit einer halben Zitrone und etwas Erdapfelsalat (Kartoffelsalat). Der Salat wird nicht mit Mayonnaise, sondern mit Essig und Öl zubereitet, was die ganze Mahlzeit etwas weniger trocken macht. Als Dessert gab es dazu stilecht Apfelstrudel mit Schlagobers (Schlagsahne). Im ältesten Gasthaus am Naschmarkt, „Zur eisernen Zeit“, habe ich das selbsternannt beste Gulasch von Wien gegessen (war aber wirklich gut) und andernorts auch Sachertorte probiert.

Nach der Konferenz bin ich in die WG von Bekannten einer Bekannten übergesiedelt. Die lag in Meidling (12. Bezirk), also schon etwas weiter außerhalb. Da lernte ich dann auch endlich einmal das gut ausgebaute U-Bahn-Netz zu schätzen. Der ÖPNV ist für Kurzreisende vergleichsweise teuer (6,70 € für 24-Stunden-Karte), allerdings sind Monats- und Jahreskarten dafür wohl vergleichsweise billig. Die letzten zwei Tagen waren dann im Wesentlichen noch einmal dem Sightseeing gewidmet. Hierbei habe ich dann auch endlich mal etwas Subkultur zwischen all den alten dekorativen Steinhaufen entdeckt – am Donaukanal findet sich eine Menge Streetart. Außerdem war ich mit besagter Bekannten noch im “Haus der Musik”, einem Museum zu den Wiener Philharmonikern und einheimischen Komponisten, das aber auch eine gut ausgebaute interaktive Komponente ähnlich dem Dresdner Hygienemuseum hat. Kann ich nur empfehlen.

  
  
  

 
Insgesamt ist Wien nett, ich würde dort aber glaub ich nicht leben wollen. Es ist für meine Begriffe zu sauber, zu geleckt. Ich hab mich teilweise wie in einem potemkinschen Dorf gefühlt. Die Leute sind nicht unbedingt offen, aber prinzipiell nett und höflich (wenn man von einigen Kellnern absieht, die wohl unbedingt die Wiener Granteligkeit pflegen wollen). Wien gilt als die Stadt mit der weltweit höchsten Lebenszufriedenheit. Und vielleicht ist es genau das, was mich abschreckt: Zufriedene Menschen sind mir eben doch immer ein wenig suspekt.

Links:
Alle Fotos meines Wien-Besuchs
Streetart in Wien

Mar 182013
 

Es passiert gerade viel in meinem Leben. Viel, worüber man schreiben könnte, viel, worüber ich gerade nicht schreiben möchte. Vielleicht, weil es zu viel ist, weil es zu komplex ist, um es in Text abzubilden. Weil ich es selbst noch nicht richtig verstehe, vielleicht nie verstehen werde. Ich bitte jedenfalls um Verständnis, dass hier in absehbarer Zeit nichts anderes passieren wird als einige schon geplante Reisebeiträge (Wien nächste Woche und Paris zwei Wochen später) und vielleicht auch noch das ein oder andere Bild, wenn ich denn mal wieder zum Zeichnen komme. Und irgendwann mal erzähl ich dann vielleicht auch von damals, das gerade jetzt ist.

Jan 292013
 

Ich gebe zu, ich hab mich hier und auch auf Twitter in den letzten Wochen ziemlich rar gemacht. Das liegt unter anderem daran, dass gerade meine gesamte Freizeit für eine gute Sache drauf geht, über die ich aus nachvollziehbaren Gründen aber hier im Blog nichts schreiben kann. (Wer in den letzten Jahren die Medien zum Thema “sächsische Demokratie” und “sächsische justiz” verfolgt hat, wird verstehen, was ich meine.) Insofern sind die nächsten regulären Artikel auch nicht vor Ende Februar zu erwarten. Und auch dann ist wohl nicht mehr mit soviel Aktivität wie im letzten Jahr zu rechnen. Mindestens von meinen Reisen wird es aber auch weiterhin etwas zu berichten geben.

Warum ich dieses Lebenszeichen gerade jetzt von mir gebe, ist übrigens ganz einfach: Die neue Ausgabe des Psycho-Path ist da. Ich habe auch diesmal das Titelbild und zwei kleine Illustrationen beigesteuert sowie einen Artikel zu Hochstaplern und einen zur studentischen Lehrevaluation. Sobald die Ausgabe auch online zu finden ist, stell ich auch nochmal die entsprechenden Links ein.

Jan 052013
 

Ich war nie ein großer Gamer. Das letzte Spiel, dem ich mich mehrere Stunden am Stück über mehrere Tage und Wochen hinweg gewidmet habe, war GTA: San Andreas. Das war 2005. Abgesehen von Super Mario Land für den Gameboy war GTA auch das einzige Spiel, das ich jemals durchgespielt habe. Mit Cheats zwar nur, denn ich bin einfach ein verdammt schlechter Spieler, aber immerhin. Da der Großteil der Missionen aus Geschicklichkeitsspielen bestand, halfen mir Unverwundbarkeit, massig Geld und unbegrenzt Waffen und Munition ohnehin meist nicht weiter.

Das Spiel, das mich davor am meisten gefesselt und den größten Teil meiner Zeit gefressen hat, war gar kein Computerspiel im klassischen Sinne. Es war stattdessen eine Mikronation, eine Art Pen-&-Paper-Rollenspiel im Netz, aber ohne Würfel und mit weniger Regeln. Mikronationen sind Staatensimulationen. Pragmatisch betrachtet handelt es sich meist nur um ein Forum, in dem sich die Spieler im kollektiven Geschichtenerfinden und Geschichtenerzählen üben. Diese Geschichten betreffen das Geschehen im jeweiligen Land. Sie entstehen in der Interaktion der Spieler, die Bewohner des Landes verkörpern, Geschäftsleute, Politiker, Diplomaten, und je nach Staatsform auch Fürsten, Könige, Kaiser. Die Richtung, die die kollektiven Geschichten nehmen, sind dabei nur durch die vorherigen Geschichten begrenzt. Die Entwicklung ist also kontiniuerlich, aber bei weitem nicht so einschränkend wie der rigide Spielablauf eines typischen Computerspiels. Ich habe damals dort ziemlich viel Zeit gelassen und “politisch Karriere gemacht”, irgendwann war ich Kanzler. Leider sind dann Differenzen, die ich mit dem Spieler hinter unserem Kaiser hatte, in die Simulation geschwappt. Es kam (ohne mein Zutun) zu einem Putsch und ich hatte die Lust am Spiel verloren. Ich weiß nicht mehr, wie es weiterging, aber meine alte Mikronation scheint es noch zu geben.

Seitdem spiele ich, wenn ich überhaupt noch spiele, eigentlich nur noch kostenlose Online-Flashgames. Irgendwelche Tetris-Klone, Physikspiele, 3-Gewinnt-Adaptionen oder Tower-Defense-Versionen, um mal runterzukommen. Ab und zu ein RPG oder eine kleine Wirtschaftssimulation. Aber ich glaube, rein statistisch gesehen habe ich in den letzten Jahren mehr Zeit mit Rauchen verbracht als mit Computerspielen. Und ich rauche nicht mal eine Schachtel im Jahr.

Wenn ich schon kein Gamer bin, dann bin ich noch weniger ein Game-Zeitschriftenleser. Ich hab mir in meinem Leben vielleicht zwei Mal die Computer Bild Spiele gekauft, weil mich eine auf CD beigelegte Vollversion interessiert hat – in der ich dann meistens nicht über das Tutorial hinaus kam. Mein jüngster Bruder war in dieser Richtung etwas interessierter, bei ihm habe ich dann manchmal mitgelesen. Aber so wirklich begeistert war ich von dem Konzept “Spielezeitschrift”, wie es sich mir dort darbot, ohnehin nicht. Die Texte waren meist Lobhudeleien auf das jeweilige Spiel, dazu dann nachgerenderte Bilder, die man so im Spielverlauf nie zu sehen bekam und abschließend noch eine Bewertung auf einer mysteriösen Skala, deren Kriterien im Dunkeln blieben und die vielleicht nur das Werbebudget widerspiegelte, das der jeweilige Publisher bereit war in die Zeitschrift zu investieren.

Und doch sitze ich jetzt hier und lese mit Begeisterung die zweite Ausgabe der WASD. Die WASD ist ein Spielemagazin. Der Titel steht für die Tasten, die vor allem in älteren Spielen anstelle der Pfeiltasten zur Navigation innerhalb eines Spiels genutzt wurden (W – vorwärts, A – links, S – rückwärts, D – rechts). Aber die WASD ist anders. Das beginnt schon bei Preis und Leistung. Für den Preis eines Buches, nämlich 14,50 € + Versand (oder 19,90 € für die Förderausgabe) erhält man genau das – ein Taschenbuch, konventionell gebunden, über 200 Seiten stark und (zumindest derzeit) vollkommen werbefrei. Jede Ausgabe enthält 20-25 Artikel, die jeweils etwa 3-5 reine Textseiten umfassen, unterbrochen von liebevoll gestalteten, ganzseitigen Illustrationen im Vierfarbdruck. Die Artikel versammeln sich immer unter einem vorgegebenen Thema. Bei Ausgabe 1 ging es um “Tasty Trash”, um schlechte Spiele, die Spaß machen, gerade weil sie so schlecht sind. Ausgabe 2 hat sich direkt mal an ein richtig heißes Eisen gewagt, “Select System – Games und Politik”.

An der WASD gefällt mir, dass das Medium “Computerspiel” in seiner Wirkung auf die Gesellschaft betrachtet wird, und gleichzeitig die Wirkung der Gesellschaft auf die Inhalte von Spielen. In der aktuellen Ausgabe wird beispielsweise hinterfragt, welche politischen Ideologien in Spielen eigentlich wie gezeigt werden (zum Beispiel in Kriegsspielen die guten kapitalistischen Amerikaner gegen die bösen Kommunisten/Terroristen). Es werden Fragen nach Stereotypen und Rollenbildern aufgeworfen, wenn beispielsweise Afrika in Spielen entweder nur als exotischer Ort oder als Krisenherd und Afrikaner nur als Kanonenfutter oder Gegner dargestellt werden. Mehrfach wird auf die oft sexistische Darstellung von Frauen eingegangen, die entweder passive zu rettende Opfer sind oder hinterlistige, gemeine Gegnerinnen, in jedem Fall aber großbusig und leicht bekleidet. Erzählt wird dabei auch von der kanadischen Feministin Anita Sarkeesian, die auf Kickstarter Geld für ein Videoprojekt sammelte, in dem sie typische weibliche Stereotype in Spielen analysieren wollte. Zwar übertraf sie ihr anvisiertes Ziel von 6.000 $ bei Weitem, und warb fast 160.000 $ ein, allerdings war sie von Seiten der Spielercommunity auch extremen Anfeindungen ausgesetzt. Diese gingen soweit, dass ein Spiel entwickelt und verbreitet wurde, dessen einziges Spielziel darin bestand, Anita Sarkeesian zu verprügeln. Sie ließ sich davon aber nicht einschüchtern und die Filme werden bald auf http://www.feministfrequency.com zu sehen sein.

Auch die WASD enthält Renzensionen einzelner Spiele, allerdings sind diese sehr viel stärker als in anderen Magazinen auf das persönliche Erleben der Autoren beim Spielen gerichtet. Irgendwelche Rankings oder Bewertungsskalen fehlen völlig. Es wird anerkannt und vorgelebt, dass die Bewertung eines Spiels als gut oder schlecht immer nur eine subjektive ist, weil das Spielerlebnis als solches etwas vollkommen Subjektives ist.

Der große Verdienst der WASD ist es, Computerspiele als kreatives Kulturgut zu begreifen, das gleichberechtigt neben Kunst, Literatur und Filmen stehen kann und dessen Entstehung und Rezeption man ebenso im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen Zustände und Entwicklungen interpretieren muss. Computerspiele werden aus der “Schmuddelecke” der puren Unterhaltung herausgezogen, gleichzeitig werden sie aber auch in die Verantwortung genommen, sich ihren gesellschaftlichen Wirkungen zu stellen.

Die WASD ist meines Wissens derzeit nur online über die (für ein Spielemagazin leider ziemlich stümperhafte und unintuitive) Webseite http://www.wasd-magazin.de zu bestellen. Sie erscheint in einem kleinen Eigenverlag und nach der ersten Ausgabe war unklar, ob und wie es weitergehen würde. Umso froher bin ich, dass nun Ausgabe 2 vorliegt und dass auf der Seite nun von einem halbjährlichen Erscheinungsrhythmus die Rede ist. Ich wünsche der WASD auf jeden Fall einen langen Atem und das sich die anderen Spielemagazine von ihr noch eine Scheibe abschneiden.

Dec 312012
 

Pünktlich zum Jahresende finden sich im Fernsehen wieder Mengen über Mengen an Jahresrückblicken und auch in der Blogosphäre sind schon die ersten persönlichen Resümees gesichtet worden. Ich wollte mich da ja eigentlich aus zwei Gründen raushalten. Zum Einen hab ich überhaupt kein Zeitgefühl und kann nicht mit Sicherheit sagen, in welchem Jahr mir was passiert ist beziehungsweise was mir nun genau in diesem Jahr passiert ist. Ich merke mir Begebenheiten und Begegnungen eher episodisch als kalendarisch. Ein abwechslungsreiches und volles Wochenende kann da genauso viel Platz einnehmen wie zwei Wochen tote Hose. Zum Anderen war es für mich ein eher durchwachsenes Jahr, allerdings ohne größere Höhen und Tiefen, die prägend gewesen wären für die letzten 12 Monate. Kurz gesagt: Ich hatte nicht wirklich eine Idee, was ich schreiben sollte.

Wie ihr seht, habe ich mich umentschieden. Ich habe mir dabei das “Poesie-Album”-Prinzip zunutze gemacht. Kennt ihr bestimmt alle noch aus der Schule: “Mein liebstes Hobby”, “Mein liebstes Buch”, “Mein liebstes Kuscheltier”. Einfach noch “2012″ dranhängen und schon kann es losgehen.

Hobbys 2012: Das klassische Porträtzeichnen, wie ich es in den letzten zwei Jahren sehr intensiv betrieben habe, kam dieses Jahr etwas zu kurz. Das lag auch daran, dass mir ein Stück weit die Motive ausgegangen sind. Inzwischen hat so ziemlich jeder aus meinem engeren Umfeld (s)ein Porträt von mir zuhause hängen. Mal schauen, vielleicht kann ich das im nächsten Jahr wieder etwas reaktivieren. Dieses Jahr habe ich mich künstlerisch vor allem mehr oder weniger erfolgreich mit dem Zeichnen von Cartoons beschäftigt. Mit Fotografie habe ich mich im ersten Halbjahr etwas intensiver auseinandergesetzt, das ist dann wieder ein wenig eingeschlafen und nur noch selten über reine Sightseeing-Bilder hinausgekommen. Ansonsten schreibe und zeichne ich jetzt für die Zeitung Psycho-Path und habe angefangen, ein Blog zu schreiben (wie ihr vielleicht bemerkt habt).
Darüber hinaus blieb dann eher wenig Zeit. Ich habe wieder mehr Bücher gelesen, wobei mein Lesetempo dem Anschaffungstempo immer etwas hinterherhinkt. Daher liegen bei mir gerade etwa zwei Regalmeter un- und angelesene Bücher herum.

Bestes Buch 2012: Mmh, da wirds schon wieder schwierig. Ich bin gerade mal meine Bücherregale abgegangen und kann nicht mehr wirklich sagen, wann ich welches Buch gelesen habe. Noch schwerer fällt es, einen Platz 1 auszuwählen. Ich würde gerne zwei Büchern diesen Status zukommen lassen: Stephen Kings “Wahn” und Pierre Péjus “Schlaf nun selig und süß”. Vielleicht, weil es in beiden um die Entstehung von Kunst geht und die Protagonisten Künstler sind, ich weiß nicht genau. Auf jeden Fall haben sie mich beide berührt, auch wenn “Wahn” mit seinen King-typischen Horrorelementen dafür ja nur bedingt geschaffen ist.
Lobend erwähnen möchte ich aber auch Audrey Niffeneggers “Die Frau des Zeitreisenden” (das außer mir wahrscheinlich jeder schon gelesen hatte) und Janne Tellers “Nichts” (das ich glaub ich schon 2011 gelesen habe, aber was solls). Außerdem die Autobiographie von Ephraim Kishon “Nichts zu lachen” und die späten Gedichte von Hermann Hesse, die in “Stufen” versammelt sind. Und … und … und … Sagte ich schon, dass mir die Auswahl sehr schwer fällt?

Schlechtestes Buch 2012: Eine gemeine Kategorie, aber ich habe tatsächlich zwei Kandidaten. Zum einen Karin Schickingers “Blaues Gold” – ein Kriminalroman, in dem eine Fotografin auf einem ihrer Fotos eine Leiche entdeckt, unter Mordverdacht gerät und auf eigene Faust ermittelt. Eine arg zusammenkonstruierte Geschichte mit schwachem Schreibstil. Zum anderen Brendon Burchards “Das Ticket zum Glück”. Ein Roman, der trotz absurder Handlung in sich hätte funktionieren können, wenn der Autor nicht krampfhaft versucht hätte, gleichzeitig ein Selbsthilfebuch draus zu machen.

Bestes Konzert 2012: “Kraftklub” am 14.04. im ausverkauften Alten Schlachthof Dresden. Nicht ganz so geil wie ihr Clubkonzert im Dezember 2011 im Bischofswerda, wo sie von geschätzt 500 Leuten abgefeiert wurden wo nur Platz für 300 gewesen wäre. Trotzdem immer noch ziemlich geil. Durchdrehen und schwitzend durch die Gegend springen vom ersten bis zum letzten Lied. Und vor der Bühne genau das gleiche. Mit Circle Pits, Wall of Death und Sprüngen von Traversen.
Dicht gefolgt auf Platz 2 die Konzerte von LostProphets am 02.07. und den Donots am 19.10., jeweils im kleinen Saal des Alten Schlachthofs. LostProphets mit erstaunlich wenig Publikum, das dafür umso enthusiastischer war. Plus Synchron-Headbangen mit Brüderchen 2 (Brüderchen 1 stand meistens nur betont cool rum). Die Donots mit dem größtmöglichen Circle-Pit und dem Ereignis, das verschwitzte jeansbehoste Bein von Sänger Ingo zu halten.

Schlechtestes Konzert 2012: Mit Abstand Thees Uhlmann beim Dresdner Stadtfest am 18.08. auf dem Theaterplatz. Zugegeben, Stadtfestkonzerte sind ein hartes Brot. Man hat viel Laufpublikum, dass sich nur mäßig für den Künstler interessiert und meist nur da ist, weil es gratis ist. In die Kategorie hab ich in dem Fall auch gehört. Dennoch: Schwache Lieder, überlange konfuse Ansagen und eine völlig verhunzte Version von XOXO mit runtergestammeltem Rap-Part berechtigen zum ersten Platz von hinten.

Bestes Album 2012: Kraftklub “Mit K” und Casper “XOXO”. Punkt.

Schlechtestes Album 2012: Da ich keine schlechte Musik höre, kenne ich selbstverständlich auch keine schlechten Alben. Die Kategorie wird daher gestrichen.

Bester Song 2012: Kraftklub “Melancholie” – Das energiegeladenste Lied übers Traurigsein, das ich kenne. Und Casper “Michael X” – Ein schöner Abschiedsgruß an einen alten Freund.

Bester Film 2012: Mmh, ich bin nicht so der Kinogänger. Letztes Jahr hätte ich ohne zu Zögern “127 Hours” gesagt. Dieses Jahr … “Gott des Gemetzels” hab ich dieses Jahr gesehen und fand ihn sehr gut. Hätte durchaus Lust, das zugrundeliegende Theaterstück mal aufzuführen. Falls sich noch jemand berufen fühlt, drei Rollen wären dann noch zu besetzen. ;)

Schlechtester Film 2012: Schlechte Filme vergess ich immer sofort wieder. Da muss ich passen

Einen wirklich vollständigen Jahresrückblick gibts übrigens drüben beim Postillon. Euch allen einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.

Dec 312012
 

 

Schräg gegenüber zieht demnächst wohl die Gentrifizierung ein.

- 12 Eigentumswohnungen, ca. 82-140 m² – massives Eichenparkett in Wohnräumen
- 3, 4 u. 6 RWE in Haupt- und Gartenhaus – Fußbodenheizung
- individuelle Grundrisse möglich – Aufzug, Tiefgaragenstellplätze
- großzügige Balkonflächen – KfW 70, Solaranlage
- zertifiziert durch TÜV-SÜD – Kaminzug optional

Da kann ich mich wohl bald von meinen 5€ Kaltmiete pro Quadratmeter verabschieden. Oder ich tu mich mit den Nachbarn zusammen, und arbeite aktiv gegen steigende Mietpreise.

Ich könnte zum Beispiel mit den Alkis reden, die manchmal vor dem Spätshop nebenan rumlungern. Die können sich nachts ruhig mal etwas lauter anbrüllen. Und ab und zu mal an den Grundstückszaun der neuen Nachbarn pissen.

Oder ich rede mit der Schreimutti von Gegenüber. Soll die das Fenster ruhig auch im Winter offen lassen, damit man ihr Gekeife besser hört. Ihr Schreikind kann selbstverständlich auch sein Scherflein zur Geräuschkulisse beitragen.

Und die Kinder aus dem Reihenhaus hinten raus können ruhig mal etwas ausgelassener draußen spielen. Das soll einige Leute ja auch zu den lustigsten Handlungen treiben.

Die Hundehalter der Gegend wissen jetzt natürlich auch, wo ihre vierbeinigen Lieblinge ihr Geschäft bevorzugt zu verrichten haben.

Nicht zu vergessen die motorisierten Anwohner, die in der 30er-Zone mit 50 durch die einspurige kopfsteinbeflasterte Straße rattern. Vollbremsungen mit quietschenden Reifen wegen unerwarteten Gegenverkehrs dann bitte direkt vor der Hausnummer 9.

Wenn wir alle mit anpacken, können wir etwas tun gegen steigende Mietpreise. Man muss schließlich zusammenhalten, so als gute Nachbarschaft.

Dec 292012
 

Johnny Häusler prangert in seinem viel beachteten Artikel “2013: Das Web zurückerobern” die zunehmende Tendenz an, Geschichten und Bilder in den “walled gardens” von Twitter, Facebook, Google+ und Instagram zu teilen und zu kommentieren, wo sie für die breite Masse unsichtbar bleiben und schon nach wenigen Tagen aus der Timeline verschwinden. Er plädiert für eine Rückkehr zu den Zeiten, als Homepages und Blogs noch “ein individuelles Archiv der Meinungen, Links und Netzfundstücke der Betreiber” waren. Gleichzeitig nimmt er die Entwickler von Online-Diensten in die Pflicht, nutzerfreundlichere Publizierungsinstrumente zu entwickeln, um auch komplett ohne technische Vorkenntnisse das Betreiben beispielsweise eines Blogs zu ermöglichen.

Wenn ich früher™ einen Artikel wie diesen hier auf Spreeblick veröffentlichte, stießen nach und nach ein paar andere Blogger darauf, verlinkten ihn vielleicht, und im besten Fall fand eine Diskussion dazu statt, die man auch Jahre später noch nachlesen konnte. Unter dem Artikel, direkt hier bei Spreeblick. Veröffentliche ich heute etwas, stoßen die meisten Leserinnen und Leser erst dann darauf, wenn ich den Link per Twitter und Facebook weitergebe, wo der Inhalt dann oft auch diskutiert wird. Ein Spreeblick-Artikel braucht heutzutage die Kommentar-Betreuung und ggf. meine Reaktion auf diversen Kanälen, die Debatte zerfasert, teilt sich auf und verschwindet schnell im Nirwana der Sozialen Netzwerke. Noch schlimmer: Wenn auf einen Tweet verschiedene interessante Antworten folgen, sind diese nach kurzer Zeit verloren, eine Dokumentation ist beinahe unmöglich. Und das ist Mist.

Ich stimme seiner Analyse zu, soweit sie sich auf das Verhalten aktiver “Netizens” bezieht. Wer ohnehin ein Blog betreibt, sollte schon aus Rücksicht auf die eigene Zeit und die eigenen Nerven seine publizistischen Online-Aktivitäten dorthin konzentrieren und andere soziale Netzwerke nur als Linkschleuder oder zur persönlichen Kontaktpflege nutzen. Wo es aber darum geht, neue Nutzer zu gewinnen, öffentliche Onlinerepräsentationen von sich zu erstellen, bleibe ich skeptisch. Denn ein Aspekt bleibt bei der Diskussion bisher außen vor: Die Wünsche des Nutzers.

Will der Nutzer tatsächlich, dass all seine publizistischen Online-Aktivitäten von einer potenziell unendlich großen Masse an ihm unbekannten Leuten gelesen und kommentiert werden? Will er wirklich, dass sie über Jahre hinweg nachverfolgbar sind, mit all den Entwicklungsschritten und Inkonsistenzen, die sich daraus ergeben? Oder schätzt er an den “walled gardens” – neben der Benutzerfreundlichkeit und dem Netzwerkerleben – vielleicht gerade die Möglichkeit, Informationen nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich zu machen, und dies auch nur zeitlich begrenzt?

Machen wir uns nichts vor: Es gibt heutzutage genug Angebote, mit denen jeder Internetnutzer auch ohne technische Kenntnisse innerhalb weniger Minuten ein Blog erstellen und seine Gedanken ins Netz kippen kann (blog.de, twoday.net, wordpress.com, tumblr.com, etc., pp.). Dennoch werden diese Instrumente – gemessen an der Aktivität in anderen sozialen Netzwerken – kaum genutzt. Natürlich kann man argumentieren, dass man für diese kostenlosen Dienste mit seinen Daten bezahlt – aber das tut man bei Facebook und Co. auch. Warum also finden Blogs soviel weniger Zuspruch? Meines Erachtens liegt das an ihrer örtlichen und zeitlichen Unbegrenztheit. Jeder kann prinzipiell alles jemals Geschriebene nachlesen. Das berührt und verletzt zwei wichtige psychologische Prinzipien: Den Wunsch nach (subjektiver) Kontrolle und den Wunsch nach Konsistenz der eigenen Darstellung.

Der Mensch braucht Kontrollerleben für sein psychisches Wohlbefinden. Er muss das Gefühl haben, dass sich seine Umgebung nach bestimmten Regeln verhält und ändert, dass er diese Regeln versteht und dass er durch ihre Anwendung seine eigenen Ziele erreichen kann. Es reicht dabei aus, dass die Kontrolle subjektiver Natur ist. Fehlt das Kontrollerleben, führt das kurzfristig zu Stress und langfristig zu erlernter Hilflosigkeit, zu Apathie und Depression. In Facebook oder Google+ kann ich sehr genau auswählen, mit welchen Gruppen/Circles ich welche Informationen teile. Ich kann mir sicher sein, dass alle Infos innerhalb weniger Tage aus den Timelines meiner Freunde verschwunden sind und wenn überhaupt, dann nur noch aufwändig über die eigene Profilseite oder Chronik gefunden werden können. Die subjektive Kontrolle ist also sehr viel höher als bei einem Blog, das für jeden frei zugänglich ist.

Natürlich bleibt dabei unberücksichtigt, dass letztendlich alle Daten trotzdem vom jeweiligen Anbieter gespeichert und für eigene Zwecke genutzt werden. Dass das Wissen (und teilweise auch die Hysterie) um diese Praxis zugenommen haben, erklärt möglicherweise die zunehmende Tendenz zur aktiven Depublizierung auch in sozialen Netzwerken, wie ich sie beobachte. Man hat keine Kontrolle über die interne Datenbank von Facebook, also erwirbt man zumindest subjektive Kontrolle durch das Löschen (im Sinne von Unsichtbarmachen) eigener Daten. Vor Weihnachten hat eine Bekannte von mir ein völlig unverfängliches Foto von sich auf Facebook gepostet. Sie wirft einen Luftkuss in die Kamera und wünscht allen frohe Weihnachten. Ein paar Tage später war das Foto gelöscht, inklusive der durchweg positiven Kommentare dazu. Ich weiß nicht, ob sie das Gefühl hatte, mit diesem Foto zuviel von sich preiszugeben. Mir steht auch kein Urteil darüber zu. Klar ist aber, dass so jemand niemals den Schritt gehen wird, ein eigenes Blog zu eröffnen, um sich potenziell vor der ganzen Welt zu präsentieren.

Mindestens ebenso wichtig für Menschen ist die Konsistenz in der eigenen Darstellung. Sie wollen als ganzheitlicher Charakter mit festen und unverrückbaren Werten, Einstellungen und Meinungen wahrgenommen werden. Daraus leiten sie ihre Identität ab, also wer sie sind. Treten Inkonsistenzen auf, weil das aktuelle Verhalten beispielsweise nicht mit den eigenen Werten übereinstimmt, so erzeugt das kognitive Dissonanz, einen Zustand von Unruhe und innerer Erregung. Um kognitive Dissonanz zu reduzieren, tun Menschen alles. Sie zu erzeugen, ist der Königsweg, um einen Menschen zu bestimmten Handlungen zu bewegen.

Wenn ich einen Fremden dazu bringen möchte, mir einige Münzen zu schenken, ist es sinnvoll, ihn vorher um einen kleineren Gefallen zu bitten, beispielsweise kurz etwas zu halten. Entspricht er dieser kleinen Bitte, ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass er auch der großen Bitte nach dem Geld folgt. Denn indem er den kleinen Gefallen erfüllt, stuft er mich durch sein Verhalten als positiver Interaktionspartner ein. Der Bitte nach Geld nicht zu folgen hieße, gegen dieses positive Bild zu handeln und kognitive Dissonanz zu erzeugen. Wann immer ihr von einem talentierten Verkäufer etwas gekauft habt, was ihr gar nicht braucht, habt ihr dies mit ziemlicher Sicherheit getan, um von ihm erzeugte kognitive Dissonanz zu reduzieren.

Nun entwickelt sich der Mensch aber über die Zeit. Er macht neue Erfahrungen, er überdenkt und revidiert Meinungen und Einstellungen. Sind diese alten Meinungen aber irgendwo publiziert, so erzeugt dies von außen wahrnehmbare Inkonsistenzen zwischen dem früheren und dem heutigen Ich. In einem Blog ist das Risiko dafür sehr viel höher, weil auch Jahre alte Einträge noch gelesen, kommentiert und verlinkt werden können. Entsprechend muss man sich gegebenenfalls irgendwann mal mit einem empörten Kommentar zu einem 3 Jahre alten Artikel auseinandersetzen, dessen Tenor man heute überhaupt nicht mehr vertritt. In sozialen Netzwerken ist dies aufgrund der Begrenzung der Timeline sehr viel weniger wahrscheinlich. Als Facebook die “Chronik” einführte, war das unter anderem auch der Versuch, alte Inhalte wieder zugänglich zu machen – zumindest innerhalb des eigenen “walled garden”. Die Antwort war ein Shitstorm, der genau diesen Punkt kritisierte – man wollte nicht mit den eigenen Beiträgen der letzten Jahre konfrontiert werden. Im Ergebnis ist es nun möglich, ältere Beiträge in der Chronik zu depublizieren. Der Mensch, so scheint es, hat ein großes Interesse daran, dass seine Vergangenheit verborgen bleibt.

Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich eine Überraschung, dass es überhaupt Leute gibt, die Blogs schreiben. Die ihr Leben, oder zumindest relevante Teile davon, einer unbekannten Masse zur Ansicht und Begutachtung vorlegen. Die die Vorteile, die daraus erwachsen – sei es ganz simpel die Freude am Schreiben, die Befriedigung des eigenen Geltungsdrangs, der Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung in einem bestimmten Bereich oder das berufliche Vorwärtskommen – höher gewichten als den Katalog potenzieller Nachteile von A wie Abmahnung bis Z wie ZCybermobbing (Kennt jemand einen schönen Nachteil mit Z?). Und die im Zweifel auch damit umgehen können, mit der eigenen Inkonsistenz und Inkonsequenz konfrontiert zu werden. Aber es sind nicht alle Menschen so. Und es müssen nicht alle Menschen so sein. Und deshalb ist es in Ordnung, wenn einige Internetnutzer ihr Leben nur mit Wenigen in “walled gardens” teilen, während andere ihre ganz persönliche Wahrheiten ungefiltert in die Welt hinausblasen – ob die Welt es nun hören will oder nicht.

Dec 252012
 

Weil es so schön wenig Arbeit macht, stelle ich hier in loser Folge meine Lieblingstweets zu einem bestimmten Thema oder aus einem bestimmten Zeitraum vor – eigene und fremde. Anderswo nennt man das Cross-Media, ich bezeichne es ehrlicher als “Tweet-Recycling”.

Zum Fest des Gebens, Nehmens und Umtauschens heute mal nur Fremd-Tweets.

Dec 242012
 

Die Vorgeschichte: Weihnachtskalender | Weihnachtskalender (II)

Alle 24 Weihnachtsmänner auf einmal funktioniert dann doch nicht so ohne Weiteres, dafür ist wohl entweder die App oder mein Tablet zu schwachbrüstig. Dennoch ist es ein ziemliches Gewimmel, das ich hier jetzt nur statisch darstellen kann. Und die einzelnen Animationen haben mir in den letzten Tagen viel Freude bereitet. Die Entwickler waren da sehr kreativ, und ich möchte euch hier nochmal kurz meine Lieblinge vorstellen:

  
 
  
 

Diese Anwendung ist natürlich nur eine Spielerei, aber sie zeigt das Potential von erweiterter Realität auf, also von der Möglichkeit, digitale Informationen in die reale Welt einzublenden. Ich denke da weniger an Head-Up-Displays in Autos oder für Fußgänger, als vielmehr an die Erweiterung von Lernsituationen.

Ich stelle es mir so vor: Über Schaubildern in Lehrbüchern, beispielsweise zum Blutkreislauf, lassen sich mittels Smartphone oder Tablet perspektivisch korrekt Animationen einblenden. Diese können beliebig oft wiederholt werden und passen sich so dem Lerntempo des Nutzers an. Gleichzeitig kann dieser durch Positionierung von Smartphone/Tablet bestimmen, ob er das System in seiner Gänze betrachten, oder sich einzelne Details in der Funktionsweise genauer ansehen möchte. Interaktive Elemente (z.B. Steuerung der Herzfrequenz) ermöglichen einen weiteren, neuen Lernzugang. Sogar zusätzliche Audiokommentare mit Erklärungen wären denkbar. Dies würde die Verschmelzung verschiedenster Lehrmaterialien (-bücher, -videos, -software) bedeuten. Mal schauen, ob dies irgendwann (erweiterte) Realität wird. Die Zukunft bleibt spannend.

Mit diesem, inhaltlich ohnehin nicht sehr kohärenten Beitrag wünsch ich euch ein schönes Weihnachtsfest und, falls ich zwischen den Jahren nicht mehr zum Bloggen kommen sollte, einen guten Rutsch ins neue Jahr. Gehabt euch wohl und bis bald.