May 052013
 

Nun also der etwas verspätete Bericht zu meiner zweiten Konferenzreise innerhalb von zwei Wochen. Anfang April ging es am Sonntag zuerst mit dem Fernbus nach Berlin und dann auf einem etwas unruhigen Flug direkt nach Paris. Dort suchten wir erst einmal das Hotel, das im Nordwesten der Innenstadt an der Metro-Station Porte de la Villette lag, kurz vor Beginn der Vororte (Banlieue). Aus Sightseeing-Sicht eine eher schlechte Ausgangslage, die uns in den kommenden Tagen viel Aufenthalt in der Pariser Metro verschaffte, für die Konferenz jedoch ideal. Der Konferenzort, das Museum für Wissenschaft und Industrie, befand sich quasi im Hinterhof des Hotels, wir hatten also keine 2 Minuten Anreiseweg. Das Museum ist auf interaktive Wissensvermittlung spezialisiert, ähnlich wie das Hygienemuseum in Dresden. Architektonisch ist es leider eine Katastrophe. Ich werde nie verstehen, warum Architekten bei Wissenschaft immer sofort an Sichtbeton und freiliegende Stahlträger, Glasfassaden und schreiende Farben denken. Fürchterlich.

  
Links: Das Hotel. Rechts: Nur im Dunkeln einigermaßen nett anzusehen – das Museum für Wissenschaft und Industrie.

 

Montmartre und Sacre Coeur

Am Sonntagabend machten wir erstmal einen kleinen Spaziergang nach Montmartre. Wobei “klein” hierbei etwa zwei Stunden meint. Auf dem Weg gab es einen schönen und auch mal weniger schönen Querschnitt durch die Pariser Alltagsarchitektur zu sehen. Von schön restaurierten Jugendstilhäusern über die Hochhäuser der Banlieue, hässlichen Funktionsbauten und Fabrikhallen war alles dabei. In Montmartre dominieren dabei natürlich die sanierten und detailverliebt verzierten Altbauten aus dem 19. sowie dem beginnenden 20. Jahrhundert, schließlich ist es eines der teuersten Stadtviertel im ohnehin schon teuren Paris. (Irgendwoher hörte ich die Hausnummer von 1000€ Kaltmiete für ein 13-Quadratmeterzimmer ohne Bad.) Das Viertel befindet sich im nördlichen Innenstadtbereich auf dem gleichnamigen Hügel, der mit 130m höchsten natürlichen Erhebung in Paris. Die Häuser sind durch kleine, vor sich hin mäandernde und in ihrem Verlauf nicht immer ganz nachvollziehbare Gässchen getrennt. Letztlich nicht viel anders als in anderen europäischen Altstädten wie in Wien oder Görlitz. Nicht umsonst werden Filme, die im Paris des 19. Jahrhunderts spielen, auch gerne in Görlitz gedreht.

  

 
Auch die Restaurants sind dort oben sauteuer, wie wir auf der Suche nach einer Abendbrot-Gelegenheit feststellten. Letztlich wurde es dann für mich nur ein (allerdings satt machender) Hotdog und ein Crepes für insgesamt 6 €.
Anschließend näherten wir uns von Osten aus der Sacre Coeur, der berühmten Kirche auf der Spitze des Montmartre. Es war inzwischen schon dunkel, so dass die Bilder aufgrund der langen Belichtungszeit und des fehlenden Stativs teilweise etwas verwackelt sind. Die Kirche selbst ist sowohl außen als auch innen sehr schön gestaltet. Sie wird auch noch als Gotteshaus genutzt. Bei unserer Ankunft beteten gerade eine paar Nonnen zusammen mit einigen Gläubigern und sangen dabei.

  
  
Verschiedene Detailansichten der Sacre Coeur.

 
Auf dem Vorplatz südlich der Sacre Coeur boten Straßenverkäufer allerlei Schnickschnack an, so wie überall im Umfeld der großen Sehenswürdigkeiten. Von dort hat man auch einen schönen Blick auf Paris, wobei bei unserem nächtlichen Besuch vor allem der Eiffelturm aus dem Dunkel herausstach, der nachts aufwendig und nicht unbedingt geschmackssicher beleuchtet wird. So kreist beispielsweise auf der Spitze des Turms immer ein Scheinwerfer und verbreitet den Eindruck von Diskobeleuchtung oder Flugabwehr.

  
Links: Sacre Coeur. Rechts: Die französische Flugabwehr Der Eiffelturm bei Nacht.

 
Auf dem Rückweg nahmen wir dann die berühmten Treppen zu (bzw. von) der Sacre Coeur. Fußschwache oder faule Leute können auch die danebenliegende Standseilbahn nutzen, die die 36 Höhenmeter auf einer Strecke von 108 Metern in anderthalb Minuten überwindet. Am Fuße der Treppen deckte ich mich dann erst einmal mit Postkarten ein, die ich mangels Briefmarken aber erst am Abreisetag verschicken konnte. Ins Hotel zurück ging es dann aber doch mit der Metro, wir waren an diesem Tag schon genug gelaufen.
 

Vom Arc de Triomphe zum Louvre

Am Montag begann dann offiziell die Konferenz im Museum für Wissenschaft und Industrie. Die Konferenzausrichter haben dort einen Teil ihrer Labore untergebracht und können so auf Museumsbesucher als Versuchspersonen zurückgreifen – eine clevere Idee. Nach der Konferenz fuhren wir mit der Metro zum Arc de Triomphe und liefen dann die Champs Elysees hinunter in Richtung Louvre. Die Champs Elysees ist vor allem eine viel befahrene und entsprechend laute Verkehrsstraße und Einkaufsmeile. Hübsch ist sie eigentlich nur aus der Ferne, beispielsweise wenn man im Nachtdunkel die Vorder- und Rücklichter der Verkehrskarawane vor dem angestrahlten Arc de Triomphe leuchten sieht.

  
  

 
Auf Höhe des Invalidendoms bogen wir dann noch einmal in Richtung Seine ab, um eine der schönsten Brücken Paris’ zu sehen: Die Pont du Alexandre III, ein Geschenk des gleichnamigen russischen Zaren. Von hier aus konnte man – wie auch schon vom Triumphbogen – einen Blick auf den Eiffelturm erhaschen, der sich nicht weit entfernt erhob.

    
  

 
Nach diesem kleinen Abstecher kehrten wir auf unsere ursprüngliche Route zurück und erreichten schließlich den Place de la Concorde mit dem darauf stehenden Obelisken von Luxor. Der Obelisk ist 3300 Jahre alt und stand ursprünglich am Eingang des Tempels von Luxor in Theben. Sein Bruder steht auch immer noch dort, er jedoch wurde im Jahre 1836 als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an den französischen König nach Paris gebracht.

  

 
Inzwischen hatte sich die Nacht über Paris gelegt. Als wir nun auf dem Place de la Concorde standen, wurde die Beleuchtung des Eiffelturmes, der auch von hier zu sehen ist, eingeschaltet. Was soll man sagen? Es ist eine ziemliche Lichtershow, mit dem schon beschriebenen Flak-Scheinwerfer und vielen ständig aufblinkenden Lichtern rund um die Stahlkonstruktion. Das Ganze könnte so problemlos auch in Las Vegas stehen. Ob das aber die angemessene Art und Weise ist, so ein Baudenkmal in Szene zu setzen, darf getrost bezweifelt werden.

  

 
Vom Place de la Concorde kann man eigentlich durch den Jardin des Tuileries, einen ehemaligen Schlosspark, direkt auf den Louvre zulaufen. Leider war der zu so später Stunde schon geschlossen, so dass wir an seinen Außenmauern entlang gehen mussten. Am Louvre machten wir noch einige Fotos, bevor es mit der Metro zurück zum Hotel ging.

    
Links: Der verschlossene Jardin des Tuileries. Mitte: An seinen Außenmauern. Rechts: Louvre.

 

Der Eiffelturm

Der Plan für den Dienstag sah vor, den Rodinpark in der Nähe des Invalidendoms zu besuchen, dann zum und auf den Eiffelturm zu gehen und auf dem Rückweg noch einmal in den Invalidendom hineinzuschauen, indem sich das Grab Napoleons befindet. Letztlich war der Rodinpark schon geschlossen, als wir dort nach Ende der Konferenz auftauchten. Wir machten aber zumindest ein paar Außenaufnahmen des Invalidendoms und des vorgelagerten Parks und gingen dann über den Champs de Mars in Richtung Eiffelturm.

  
Invalidendom.
  
Eiffelturm.

 
Da ich für die am Sonntag gekauften Postkarten noch Briefmarken brauchte, suchte ich zuerst das sich dort befindende “Postamt im Eiffelturm” auf. Leider bestand das nur noch aus einem Selbstbedienungsautomaten in einem kleinen Raum in einem der Füße des Turms, der zu allem Überfluss auch keine Briefmarken mehr ausgab.

Wir entschieden uns, bis zur zweiten Plattform die Treppen zu nehmen. Das Wetter war wechselhaft und zeitweise bekamen wir etwas Regen ab, aber wir kamen recht schnell vor- beziehungsweise aufwärts. Das Wetter sorgte schließlich sogar dafür, dass wir auf dem Weg von der ersten zur zweiten Plattform einen wunderschönen durchgängigen Regenbogen sehen konnten, der sich schließlich sogar zum Doppelregenbogen entwickelte.

  

 
Der Weg auf die Spitze des Eiffelturms führt nur über einen Fahrstuhl, der noch einmal 6 € kostet (zusätzlich zu den 5 € für die Benutzung der Treppen). Aufgrund der Uhrzeit, des Wetters und eines rasch zunehmenden Hungergefühls brachen wir den Aufstieg daher ab. Den Invalidendom zu besuchen hätte sich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gelohnt, so dass dieser Programmpunkt auch ausfiel. Auf dem Rückweg kauften wir in einem Supermarkt dann noch standesgemäß Baguette und Weintrauben, die wir im Hotel zum Abendbrot aßen. Und weil es so schön war, noch ein paar Bilder vom Eiffelturm und vom Eiffelturm:

    
  
  

 

Der Louvre – erster Versuch

Der Mittwoch war durchgängig regnerisch, es war also ideales Museumswetter. Wie gut, dass wir uns den Louvre für heute aufgehoben hatten. Als wir dort nach der Konferenz jedoch eintrafen, folgte die böse Überraschung: Ausgerechnet heute hatte sich das Wachpersonal entschlossen, die städtischen Museen zu bestreiken. Offiziell forderten sie mehr Personal, um der gestiegenen Zahl an Taschendiebstählen entgegenwirken zu können. Wir glaubten jedoch, dass sie einfach das Champions-League Viertelfinale Paris St. Germain gegen FC Barcelonsa sehen wollten, das an diesem Abend stattfand. Damit verband sich unsere Hoffnung, dass der Streik sich nicht auf den nächsten Tag – unseren Abflugtag – ausweiten würde und wir den Donnerstagvormittag vielleicht noch einmal für einen Besuch nutzen könnten.

Einstweilen ging es aber erst einmal wieder hinaus in den Nieselregen und in Richtung der Île de la Cité, dem ältesten Teil Paris, gelegen auf einer Insel mitten in der Seine. Vorbei kamen wir dabei auch an der Pont des Arts, an deren Brückengeländer verliebte Paare Schlösser als Beweis der Ewigkeit ihrer Liebe hinterlassen (die dann von Zeit zu Zeit von den Behörden wieder abgeräumt werden).

  

 
Auf der Île de la Cité findet man unter anderem auch die bekannte Notre Dame. Diese wird dieses Jahr 850 Jahre alt und die Franzosen haben sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie haben auf dem Vorplatz der Notre Dame eine riesige himmelblaue Konstruktion aufgebaut, in der unter anderem von der Geschichte der Kirche berichtet wird. Dummerweise ist der Blick auf die Kirche damit verbaut – aber bei dem Regen wären ohnehin keine brauchbaren Fotos drin gewesen.

  
Links: Île de la Cité. Rechts: Notre Dame.

 
Schließlich hielten wir es draußen nicht mehr aus und flohen vor dem stärker werdenden Regen in eine kleine Creperie neben der Notre Dame, wo wir zu Abend aßen. Hier machte ich die Bekanntschaft mit einer entzückenden Restaurantkatze, die sich spontan in mich verliebte und nicht mehr von meiner Seite wich, bis es dem Kellner zu bunt wurde und er sie verscheuchte. Auf dem Rückweg schauten wir dann nochmal in den Louvre rein, dessen Foyer noch offen war (nur die Ausstellungen waren vom Streik betroffen) und machten das obligatorische Foto von der umgedrehten Pyramide.

  
Links: Meine neue Freundin. Rechts: Die umgedrehte Pyramide im Louvre.

 

Der Louvre – zweiter Versuch

Glücklicherweise war der Louvre am Donnerstag geöffnet (St. Germain hatte 2:2 gespielt) und wir konnten dort den Vormittag verbringen, bevor unser Flieger um halb vier nachmittags abhob. Unerwarteterweise konnten wir sogar unser Gepäck mit hinein nehmen, es gibt dort extra einen kostenlosen Aufbewahrungsservice. Auch ein Postamt ist vorhanden, ich konnte also endlich meine Postkarten loswerden. Der Louvre, ehemaliger Königspalast und jetzt eines der berühmtesten Museen der Welt, ist architektonisch ziemlich beeindruckend. Die Ausstellungen sind auch riesig, aber aufgrund der gerademal drei Stunden, die wir dort zugebracht haben, kann ich mir über die Qualität kein fundiertes Urteil erlauben.

  
Links: Deckengestaltung. Rechts: Ausstellungsraum.
  
Deckengestaltung.

 
Wir haben die drei wichtigsten Kunstwerke gesehen – Mona Lisa, Nike und Venus von Milo – und sind dann einmal quer durch die verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte gewandert. Zwischendurch hat man auch immer mal wieder Künstler gesehen, die ein bestimmtes Bild abgemalt haben. Da alle dafür die gleiche Ausrüstung nutzten, wird diese vielleicht sogar vom Louvre bereitgestellt. Ich muss mich wohl mal erkundigen, was man tun muss, um da mitzumachen. ;)

  
Links: Die Nike von Samothrace (2100 Jahre alt). Rechts: Auf dem Weg zur Mona Lisa.
  
Links: Die Mona Lisa. Rechts: Die Rückseite der Mona Lisa.
  
Links: Die Venus von Milo. Rechts: Die Kopie eines Gemäldes.
  
Links: Ein Foto von einem Gemälde aus dem Louvre, das einen Maler im Louvre beim Abmalen eines Gemäldes aus dem Louvre zeigt – wie kompliziert. Rechts: Blick auf den Eingang.

 
Den Flughafen erreichten wir kurz vor Schluss des Check-Ins. Für zwei Drittel von uns hatte das eine Hochbuchung in die Premium Economy zur Folge (mit einer richtigen Mahlzeit statt nur einem Keks :) ), eine Kollegin musste sich aber leider in die letzte Reihe setzen, weil der Check-In bei ihr angeblich schon geschlossen gewesen sei und wieder aufgemacht werden musste. In Berlin erreichten wir trotz eines recht knappen Zeitfensters pünktlich unseren Bus nach Dresden und waren dann gegen 21 Uhr wieder daheim.

Das Fazit

Mein Allgemeineindruck: Paris ist eine sehr schöne Stadt. Sowohl architektonisch als auch von den Menschen her. ;) Die meisten sind höflich und die melodische Sprache tut ihr Übriges zum Wohlbefinden (“Pardon” klingt einfach schöner als “Machen se mal Platz.”). Insgesamt scheint man aber auch ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis zu haben. Fast überall gibt es mannshohe Zäune vor Wohnanlagen, viel Security und sogar patroullierende Soldaten in der Metro. Vor dem Aufstieg auf den Eiffelturm muss man sich einer Taschenkontrolle unterziehen und durch einen Metalldetektor gehen (andererseits wird man auch einfach durchgewunken, wenn es – natürlich nur wegen der Gürtelschnalle – piepst) und im Louvre werden mitgebrachte Taschen standardmäßig gescannt.
Essen und Wohnen ist in Paris teuer, aber nicht unbedingt gut. Der Besuch von Sehenswürdigkeiten geht auch ganz schön ins Geld. Da bleibt dann auch nicht mehr viel übrig, was man den Straßenmusikern geben könnte, die sich in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder auch mal in Regionalbahn und Metrowagen einfinden.
Insgesamt aber dennoch eine Stadt, in der man es durchaus auch mal länger als ein paar Tage aushalten kann – wenn man denn die Sprache spricht. Denn wie oft in Frankreich, so gilt auch hier: Selbst wenn die Leute Englisch verstehen, weigern sie sich oft, es zu sprechen. Wie dem auch sei: Ich hab jetzt erstmal begonnen, Französisch zu lernen. Und wir werden mal sehen, wann und wie lange die Stadt mich wiedersieht. :)

Links:
Weitere Fotos aus Paris.

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