Aug 292013
 

Wie im letzten Teil schon angeklungen, bin ich ein großer Fan der innerhamburgischen Grünanlagen, namentlich der Alster und des ehemaligen IGA-Geländes Planten un Blomen. Um auch einmal aus den Vollen meines Fotofundusses schöpfen zu können, möchte ich ihnen einen eigenen, nämlich diesen Beitrag widmen und die Gelegenheit nutzen, noch auf einige Hamburger Besonderheiten einzugehen, die ich bis jetzt unterschlagen habe.

Die Alster ist eigentlich nur ein Nebenfluss der Elbe, der in Schleswig-Holstein entspringt und nach nicht einmal 60 Kilometern in Hamburg seine Mündung erreicht. Zum Hamburger Naherholungsgebiet wurde sie, weil sie seit 1190 kurz vor der Mündung gestaut wird, damals um Wasserkraft für eine Kornmühle bereitzustellen. Dadurch ist ein 182 Hektar großer See entstanden, der durch die Lombardsbrücke und die Kennedybrücke in die nördlich gelegene Außenalster (164 Hektar, früher außerhalb der Stadtbefestigungen gelegen) und die sich südlich anschließende Binnenalster (18 Hektar, Teil der historischen Innenstadt) geteilt wird. Der ursprüngliche Staudamm ist heute zum Jungfernstieg ausgebaut worden, einem Einkaufsboulevard für Leute mit zu viel Geld und eine feine Adresse von Hotels für Leute mit zu viel Geld.

Außen- und Binnenalster unterscheiden sich dramatisch voneinander, sowohl in der Ufergestaltung als auch hinsichtlich dessen, was im und am Wasser vor sich geht. Die Außenalster hat größtenteils eine natürliche bewachsene Uferböschung mit viel Grün und viel Schatten (was in den sonnigen Tagen, an denen ich da war, eine Wohltat war). Ein Rad- und Fußweg führt von der einen Seite der Kennedybrücke fast einmal komplett herum zur anderen Brückenseite. Nur im Nordosten der Außenalster, in Uhlenhorst und Winterhude, muss man für einige hundert Meter auf die Straße ausweichen, weil die Alstervillen hier bis ans Ufer heranstehen.

  
An der Ostseite der Kennedybrücke und durch die Außenalster verläuft der 10. Längengrad.
  
Links: Uferbereich mit Blick auf die Stadt. Rechts: Alstervillen in Uhlenhorst.

 
Der Weg ist manchmal nur von einem schmalen Streifen Grün umgeben, weitet sich aber regelmäßig zu kleinen Parkanlagen und wird von Zeit zu Zeit von Brücken unterbrochen, die kleinere Nebenarme des Fluss-Sees überspannen. An vielen Punkten öffnet sich das Uferdickicht und erlaubt tolle Aussichten auf das Wasser, das gegenüberliegende Ufer und manchmal auch die Stadt dahinter. Nicht umsonst sind Wohnungen mit Alsterblick heißt begehrt und entsprechend teuer. Ein Quadratmeter Bauland an der Alster kostet 20.000€. Glücklicherweise sorgen gesetzliche Regelungen dafür, das große Teile des Ufers nicht verbaut werden dürfen und die Anlage auch weiterhin Bestand haben kann.

  
  

 
Am Ufer leben eine große Anzahl Wasservögel, die so an die Menschen gewöhnt zu sein scheinen, dass sie einen unglaublich nah an sich heranlassen und man tolle Fotos machen kann. Das Wasser teilen sie sich dabei mit diversen Tret-, Ruder- und Segelbooten, die man sich am Ufer ausleihen kann und mit den Alsterdampfern, die beginnend am Jungfernstieg die Binnenalster durchfahren und dann mehrmals die Außenalster von der West- zur Ostseite und zurück durchkreuzen, um so eine schnelle Anbindung zwischen den Stadtteilen zu gewährleisten.

  
  
Tierisches an, in und auf der Alster.

 

  
Die Anfängersegelschiffe heißen “Optimisten”. Ist das nicht niedlich?
  
Links: Auch Motorboot kann man fahren. Rechts: Alsterdampfer.

 
Wobei man die Strecke durchaus auch am Ufer zurücklegen kann. Eine komplette Runde um die Außenalster herum ist 7,4 km lang und viele Jogger und Radfahrer nutzen sie für ihr Training. Auch ihre zahlreichen Hunde lassen die Hamburger hier Gassi gehen. Man kann die Strecke prinzipiell in unter 2 Stunden zurücklegen, als Jogger wahrscheinlich sogar bequem in unter einer Stunde. Wer aber wie ich ständig stehen bleibt, staunt und guckt und Fotos macht, sollte vielleicht eher 5 Stunden einplanen und dabei in Kauf nehmen, besonders ambitionierten Sportlern vier bis fünf Mal zu begegnen. Die Stadt Hamburg fördert die Sportbegeisterung ihrer Bewohner übrigens. Rund um die Alster sind immer mal wieder kleinere öffentliche Sportanlagen aufgestellt, Beispielübungen werden auf daneben stehenden Schildern präsentiert. Zudem gibt es in regelmäßigen Abständen öffentliche Trinkwasserspender, so dass man zum Laufen noch nicht einmal Wasser mitnehmen muss.

  
Links: Auch Angeln kann man. Im Hintergrund einer der omnipräsenten Jogger. Rechts: Diverse Rudervereine trainieren auf der Alster.

 
Exemplarisch am Beispiel der Außenalster möchte ich noch auf eine weitere Besonderheit Hamburgs hinweisen: Kunst im öffentlichen Raum. Rund um die Alster, aber auch sonst im Stadtgebiet findet man häufig Skulpturen und andere Manifestationsformen moderner Kunst. Hierzu ist zu sagen: Der Hamburger hat zu Kunst ein gespaltenes Verhältnis. Sage ich, nicht der Hamburger. Vielleicht habe ich nur eine mir bisher nicht bewusste Skepsis gegenüber moderner Kunst (Es gibt durchaus entsprechende Hinweise …), aber in Sachen Aussagekraft fällt meiner unbescheidenen Meinung nach ein Großteil der Kunstwerke durch. “Ist das Kunst oder kann das weg?” ist ein Satz, der mir in Hamburg öfter als nötig in den Sinn kam.

  

 
Wenden wir uns nun von der blau-grünen Lunge Hamburgs ab und begeben uns zur Binnenalster. Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen: Die Binnenalster ist rechtwinkling von Steinmauern eingefasst. Es führt eine Promenade herum, deren südlicher Teil der schon erwähnte Jungfernstieg bildet. Auch an der Binnenalster gibt es am Rand etwas Grün und Möglichkeiten sich hinzusetzen. Prinzipiell ist hier aber sehr viel weniger los. Und die meisten Anwesenden sind nur aus einem Grund da: Um in einem der zahlreichen hochpreisigen Geschäfte oder Einkaufspassagen zu shoppen. “Außenalster trainiert, Binnenalster flaniert”, wie der Hamburger sagt. Da mich sowas überhaupt nicht interessiert, gibt es aus meiner Sicht nur einen Grund, an der Binnenalster vorbeizuschauen: Bei Sonnenuntergang lassen sich mit den vielen Kirchtürmen im Hintergrund einige sehr schöne Fotos machen.

  
Links: Die überlichtete Lombardsbrücke. Rechts: Die westliche Binnenalster

Zumindest ein schönes Panorama.

 
Aber gehen wir lieber wieder zurück ins Grüne. Westlich der Außenalster schließt sich fast nahtlos, und nur durch den Bahnhof Dammtor voneinander getrennt, Planten un Blomen an. Diese Parkanlage war wie schon berichtet Austragungsort der Internationalen Gartenausstellungen 1953, 1963 und 1973. Aber auch zuvor wurde das Gebiet als Parkanlage und Naherholungsgebiet genutzt. Planten un Blomen befindet sich außerhalb der ehemaligen Wallanlagen, im “Burggraben” des mittelalterlichen Hamburgs und zieht sich in südlicher Richtung bis nach St. Pauli und fast an den Hafen heran und in nördlicher Richtung bis nach Rotherbaum und zum Universitätscampus.
Wie es sich für ein ehemaliges Gartenausstellungsgelände gehört, gibt es die unterschiedlichsten Pflanzenarten und Gartenbauwerke zu sehen. Das den Park durchziehende Thema ist dabei hamburgtypisch Wasser. Überall begegnen einem Wasserspiele in Form von Springbrunnen oder Fontänen, aber auch als kleine oder größere Seen oder künstliche Flußläufe. Es gibt diverse weitläufige Wiesen, auf denen man die Seele baumeln lassen kann. Besonders schön hierbei finde ich die überall stehenden aus- und einladenden Holzstühle, die nicht im Boden verankert sind, sondern die man nach Lust, Laune und Anzahl der anwesenden Personen in unterschiedlichster Weise gruppieren kann. Daneben findet sich dann Ausstellungstypisches wie mediterrane Steinterassen, Japanische Gärten und ein Rosengarten. Auch der Botanische Garten Hamburgs ist hier untergebracht.

  
  

 
Aber auch Nichtnaturliebhaber können in Planten un Blomen auf ihre Kosten kommen. Für die Kleinen gibt es diverse Spielplätze, unter anderem auch den größten und Einheimischen zufolge besten Spielplatz Hamburgs. Es gibt eine Rollschuh- und Kunsteisbahn, auf der im Sommer aktuell aber wenig Rollschuh und dafür mehr BMX und Skateboard gefahren wird. Nicht weit davon entfernt befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander eine Seniorentagesstätte und ein Kindertheater. Das Museum für Hamburgische Geschichte befindet sich ebenso in Planten un Blomen wie eine Töpferei und eine Minigolfanlage.
Und wie auch schon bei der Außenalster nutzen die Einheimischen das Angebot weidlich und ganz nach ihrem eigenen Gusto. Die Leute joggen durch die Anlagen, machen Yoga und andere Sportarten am Wasser, liegen faul in der Sonne, lesen oder unterhalten sich auf den bequemen Holzstühlen, füttern Enten und Tauben. Die Kinder toben sowieso ständig durch die gesamte Szenerie, die zahlreichen Hunde werden Gassi geführt (vorbildlich mit Plastiktüte zur Entfernung der Hinterlassenschaften) und manchmal bekommt man sogar ein kleines Gratiskonzert. Dann nämlich, wenn ein Musiker mit seiner Gitarre im Schatten der Bäume an einem der künstlichen Flussläufe sitzt, vor sich hinsinniert und ab und zu einfach mal so ein Lied spielt und dazu in einer mir unbekannten, ans Französische erinnerenden Sprache singt. Und so kann man einen gemütlichen Tag ausklingen lassen. Oder man kann, wenn der Abend noch jung ist, Planten un Blomen am Millerntor verlassen und noch ein wenig die Reeperbahn unsicher machen. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

Hier noch einige Bilder mehr zu Tieren, Kunst, der Alster und Planten un Blomen.

  2 Responses to “Hamburg – Die Alster vs. Planten un Blomen”

  1. [...]   Hamburg – Die Alster vs. Planten un Blomen [...]

  2. [...] nicht ohne einen Bummel durch die Innenstadt aus. Im Gegensatz zu meiner Euphorie bezüglich Alster und Planten un Blomen auf der einen Seite und St. Pauli auf der anderen Seite fällt mein Resümee hier eher gemischt [...]

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