Dec 312012
 

Pünktlich zum Jahresende finden sich im Fernsehen wieder Mengen über Mengen an Jahresrückblicken und auch in der Blogosphäre sind schon die ersten persönlichen Resümees gesichtet worden. Ich wollte mich da ja eigentlich aus zwei Gründen raushalten. Zum Einen hab ich überhaupt kein Zeitgefühl und kann nicht mit Sicherheit sagen, in welchem Jahr mir was passiert ist beziehungsweise was mir nun genau in diesem Jahr passiert ist. Ich merke mir Begebenheiten und Begegnungen eher episodisch als kalendarisch. Ein abwechslungsreiches und volles Wochenende kann da genauso viel Platz einnehmen wie zwei Wochen tote Hose. Zum Anderen war es für mich ein eher durchwachsenes Jahr, allerdings ohne größere Höhen und Tiefen, die prägend gewesen wären für die letzten 12 Monate. Kurz gesagt: Ich hatte nicht wirklich eine Idee, was ich schreiben sollte.

Wie ihr seht, habe ich mich umentschieden. Ich habe mir dabei das “Poesie-Album”-Prinzip zunutze gemacht. Kennt ihr bestimmt alle noch aus der Schule: “Mein liebstes Hobby”, “Mein liebstes Buch”, “Mein liebstes Kuscheltier”. Einfach noch “2012″ dranhängen und schon kann es losgehen.

Hobbys 2012: Das klassische Porträtzeichnen, wie ich es in den letzten zwei Jahren sehr intensiv betrieben habe, kam dieses Jahr etwas zu kurz. Das lag auch daran, dass mir ein Stück weit die Motive ausgegangen sind. Inzwischen hat so ziemlich jeder aus meinem engeren Umfeld (s)ein Porträt von mir zuhause hängen. Mal schauen, vielleicht kann ich das im nächsten Jahr wieder etwas reaktivieren. Dieses Jahr habe ich mich künstlerisch vor allem mehr oder weniger erfolgreich mit dem Zeichnen von Cartoons beschäftigt. Mit Fotografie habe ich mich im ersten Halbjahr etwas intensiver auseinandergesetzt, das ist dann wieder ein wenig eingeschlafen und nur noch selten über reine Sightseeing-Bilder hinausgekommen. Ansonsten schreibe und zeichne ich jetzt für die Zeitung Psycho-Path und habe angefangen, ein Blog zu schreiben (wie ihr vielleicht bemerkt habt).
Darüber hinaus blieb dann eher wenig Zeit. Ich habe wieder mehr Bücher gelesen, wobei mein Lesetempo dem Anschaffungstempo immer etwas hinterherhinkt. Daher liegen bei mir gerade etwa zwei Regalmeter un- und angelesene Bücher herum.

Bestes Buch 2012: Mmh, da wirds schon wieder schwierig. Ich bin gerade mal meine Bücherregale abgegangen und kann nicht mehr wirklich sagen, wann ich welches Buch gelesen habe. Noch schwerer fällt es, einen Platz 1 auszuwählen. Ich würde gerne zwei Büchern diesen Status zukommen lassen: Stephen Kings “Wahn” und Pierre Péjus “Schlaf nun selig und süß”. Vielleicht, weil es in beiden um die Entstehung von Kunst geht und die Protagonisten Künstler sind, ich weiß nicht genau. Auf jeden Fall haben sie mich beide berührt, auch wenn “Wahn” mit seinen King-typischen Horrorelementen dafür ja nur bedingt geschaffen ist.
Lobend erwähnen möchte ich aber auch Audrey Niffeneggers “Die Frau des Zeitreisenden” (das außer mir wahrscheinlich jeder schon gelesen hatte) und Janne Tellers “Nichts” (das ich glaub ich schon 2011 gelesen habe, aber was solls). Außerdem die Autobiographie von Ephraim Kishon “Nichts zu lachen” und die späten Gedichte von Hermann Hesse, die in “Stufen” versammelt sind. Und … und … und … Sagte ich schon, dass mir die Auswahl sehr schwer fällt?

Schlechtestes Buch 2012: Eine gemeine Kategorie, aber ich habe tatsächlich zwei Kandidaten. Zum einen Karin Schickingers “Blaues Gold” – ein Kriminalroman, in dem eine Fotografin auf einem ihrer Fotos eine Leiche entdeckt, unter Mordverdacht gerät und auf eigene Faust ermittelt. Eine arg zusammenkonstruierte Geschichte mit schwachem Schreibstil. Zum anderen Brendon Burchards “Das Ticket zum Glück”. Ein Roman, der trotz absurder Handlung in sich hätte funktionieren können, wenn der Autor nicht krampfhaft versucht hätte, gleichzeitig ein Selbsthilfebuch draus zu machen.

Bestes Konzert 2012: “Kraftklub” am 14.04. im ausverkauften Alten Schlachthof Dresden. Nicht ganz so geil wie ihr Clubkonzert im Dezember 2011 im Bischofswerda, wo sie von geschätzt 500 Leuten abgefeiert wurden wo nur Platz für 300 gewesen wäre. Trotzdem immer noch ziemlich geil. Durchdrehen und schwitzend durch die Gegend springen vom ersten bis zum letzten Lied. Und vor der Bühne genau das gleiche. Mit Circle Pits, Wall of Death und Sprüngen von Traversen.
Dicht gefolgt auf Platz 2 die Konzerte von LostProphets am 02.07. und den Donots am 19.10., jeweils im kleinen Saal des Alten Schlachthofs. LostProphets mit erstaunlich wenig Publikum, das dafür umso enthusiastischer war. Plus Synchron-Headbangen mit Brüderchen 2 (Brüderchen 1 stand meistens nur betont cool rum). Die Donots mit dem größtmöglichen Circle-Pit und dem Ereignis, das verschwitzte jeansbehoste Bein von Sänger Ingo zu halten.

Schlechtestes Konzert 2012: Mit Abstand Thees Uhlmann beim Dresdner Stadtfest am 18.08. auf dem Theaterplatz. Zugegeben, Stadtfestkonzerte sind ein hartes Brot. Man hat viel Laufpublikum, dass sich nur mäßig für den Künstler interessiert und meist nur da ist, weil es gratis ist. In die Kategorie hab ich in dem Fall auch gehört. Dennoch: Schwache Lieder, überlange konfuse Ansagen und eine völlig verhunzte Version von XOXO mit runtergestammeltem Rap-Part berechtigen zum ersten Platz von hinten.

Bestes Album 2012: Kraftklub “Mit K” und Casper “XOXO”. Punkt.

Schlechtestes Album 2012: Da ich keine schlechte Musik höre, kenne ich selbstverständlich auch keine schlechten Alben. Die Kategorie wird daher gestrichen.

Bester Song 2012: Kraftklub “Melancholie” – Das energiegeladenste Lied übers Traurigsein, das ich kenne. Und Casper “Michael X” – Ein schöner Abschiedsgruß an einen alten Freund.

Bester Film 2012: Mmh, ich bin nicht so der Kinogänger. Letztes Jahr hätte ich ohne zu Zögern “127 Hours” gesagt. Dieses Jahr … “Gott des Gemetzels” hab ich dieses Jahr gesehen und fand ihn sehr gut. Hätte durchaus Lust, das zugrundeliegende Theaterstück mal aufzuführen. Falls sich noch jemand berufen fühlt, drei Rollen wären dann noch zu besetzen. ;)

Schlechtester Film 2012: Schlechte Filme vergess ich immer sofort wieder. Da muss ich passen

Einen wirklich vollständigen Jahresrückblick gibts übrigens drüben beim Postillon. Euch allen einen guten Rutsch und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.