Dec 202012
 

Die Biene Maja Mayas haben bekanntlich für den morgigen 21.12. den Weltuntergang vorhergesagt. Sollten sie recht behalten, verabschiede ich mich an dieser Stelle schon einmal von euch und wünsche allen Gläubigen eine schöne Ewigkeit in ihrem jeweiligen Paradies (oder der zugehörigen Hölle, je nach gusto) und uns Atheisten und Agnostikern viel Spaß beim Vermodern in der Erde.

Ist es nicht interessant, dass gerade diese Prophezeihung soviel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wo doch gefühlt alle zwei Wochen die Welt untergehen soll? Schließlich gab es auch schon für 2011 zwei relativ große Untergangsankündigungen, die – soweit ich das bei einem Blick aus dem Fenster beurteilen kann – eher nicht eingetreten sind. Aber bezüglich morgen scheinen sich viele nicht so sicher zu sein. Man verfällt zwar nicht in Panik (Wozu auch?), aber so ganz wohl ist einem beim Blick auf den Kalender auch nicht. Sollte es an der schönen Zahlenspielerei liegen, dass man den 21.12. auch rückwärts lesen kann? Verbunden mit dem harmonischen Schriftbild des 20.12.2012 als Voruntergangstag? Was natürlich nur mit dem gregorianischen Kalender funktioniert, der den Mayas unbekannt war; und nur in nicht-US-amerikanischer Schreibweise. Oder liegt es an der Nähe zu Weihnachten, dem theoretischen Fest des Gebens und der Besinnlichkeit, das praktisch ja doch eher eine Orgie des Konsums, der oktroyierten Nächstenliebe und des vorprogrammierten Familenstreits ist? Eine Zeit, die man mit Leuten verbringen muss, mit denen einen im Extremfall nichts verbindet außer 50% der genetischen Information? Nicht umsonst findet sich um Weihnachten herum immer ein Anstieg der Suizidrate. (Das stimmt zwar vermutlich nicht, aber da kann ich zugunsten der Stringenz meiner Argumentation jetzt keine Rücksicht drauf nehmen.) Mit so einer Perspektive verliert der Weltuntergang doch direkt seinen Schrecken. (Nein, ich bin kein Fan von Weihnachten. Und auch kein Fan von Weltuntergängen.)

Kennt ihr das auch, dass man als Einheimischer bestimmte Sehenswürdigkeiten seiner Stadt eigentlich nie kennenlernt? Oder nur, weil man den Touriführer für irgendjemanden spielt? Ich war beispielsweise noch nie in oder gar auf der Frauenkirche. Und ich hab mir den Maya-Kalender noch nie live angesehen, obwohl er keine 200 Meter von meiner Arbeitsstelle ausgestellt wird. Eines von drei zweifelsfrei originalen Exemplaren des Maya-Kalenders befindet sich nämlich im Besitz der Staats-, Landes und Universitätsbibliothek (kurz SLUB) Dresden. Die bieten für morgen abend übrigens ein thematisch passendes Veranstaltungsprogramm, falls jemand dort noch spontan hingehen wollen sollte. Aber Vorsicht: Vielleicht geht die Welt auch nur in der SLUB unter, dann wäre ein dortiger Aufenthalt eher unvorteilhaft. Wer weiter weg wohnt, kann sich den Dresdner Maya-Kalender übrigens auch in digitalisierter Form vor der flackernden Wärme des eigenen Monitors anschauen.

Die psychologische Unizeitung, für die ich zeichne und schreibe, hat den nahenden Weltuntergang zum Titelthema ihrer aktuellen Ausgabe [PDF] gemacht. Ich habe dazu das Titelbild und zwei Cartoons beigesteuert, von denen letztlich nur einer im Heft gelandet ist. Hier nochmal beide Exemplare zum Angucken und Anklicken.

Ein Klick macht mich groß (und stark)!  Ein Klick macht mich groß (und stark)!

Dazu gabs dann noch eine Liste vergangener Weltuntergangstermine (die zugegebenermaßen auf einer entsprechenden Sammlung basiert, die seit Jahren durchs Netz geistert) sowie einen Artikel über die psychologischen Folgen, die es mit sich bringt, wenn der erwartete Weltuntergang ausbleibt (tl;dr: Sie glauben noch stärker an die Prophezeihung).

Manche sagen, der 21.12. läute nicht den Weltuntergang ein, sondern den Beginn eines neuen Zeitalters, ausgelöst durch einen Bewusstseinssprung aller Menschen. Nötig wäre dieser ja, schon damit niemand mehr an Weltuntergänge und Bewusstseinssprünge glaubt. Am Ende halte ich den Weltuntergang dann doch aber für das wahrscheinlichere Szenario. Und damit ihr auch alle live dabei sein könnt, twittere ich morgen direkt von der Apokalypse (https://twitter.com/_joschu). Stay tuned.

Oct 132012
 

Die Älteren unter euch werden sich erinnern: Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meine Beiträge für den diesjährigen Deutschen Karikaturenpreis eingereicht. Nun ist Antwort gekommen – leider keine Gute:

Für eine lesbare Version einfach auf das Bild klicken.

Die Konsequenz daraus kann nur lauten: Im nächsten Jahr erstell ich die Cartoons direkt am Computer. Das spart mir eine Menge Arbeit und die Jury kann sich nicht mehr so ohne Weiteres über die künstlerische Ausführung beschweren.

Aug 252012
 

Wie der ein oder andere von euch sicher weiß, werde ich am Deutschen Karikaturenpreis 2012 teilnehmen. Bei diesem Wettbewerb können sowohl professionelle Karikaturisten als auch Laien (wie ich) mitmachen, um mit Karikaturen zu einem bestimmten Thema eine hochkarätige (also zumindest glaub ich das, die Namen sagen mir ehrlich gesagt nichts) Jury und das Publikum zu überzeugen. Während ich mir jetzt eher keine Chancen für einen der drei Hauptpreise (dotiert mit insgesamt 10.000 €) ausrechne, hoffe ich zumindest darauf, es mit ein oder zwei Werken in die begleitende Ausstellung und/oder den zugehörigen Katalog zu schaffen.

Daher habe ich mir in den letzten Monaten von meiner Freizeit immer mal ein Stückchen abgeknapst und insgesamt 9 Karikaturen/Cartoons zum diesjährigen Motto “Schluss mit lustig” (in Bezug auf den zu erwartenden Weltuntergang Ende des Jahres) gezeichnet und koloriert. Da ich aber nur maximal 5 Karikaturen einreichen darf, oblag es meinen Facebook-Kontakten, durch Klick auf den “Gefällt mir”-Button ihre Lieblinge auszuwählen (ab demnächst mach ich sowas dann vermutlich hier, zumindest wenn ich ein brauchbares Umfrage-Plugin für WordPress finde). Das Ergebnis seht ihr in der Galerie unten. Die Beiträge sind absteigend nach ihrer Beliebtheit geordnet, die ersten 5 (also alle ohne Clowns) habe ich als Wettbewerbsbeiträge eingereicht.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass das Wettbewerbsthema vorgegeben war, der nihilistische Einschlag in den Karikaturen ergibt sich zwangsläufig daraus. Es gibt also keinen Grund, sich Sorgen um mich zu machen (nicht wahr, Papa?!). Wobei ich beispielsweise “Omega & Alpha” und “Der (all-)tägliche Weltuntergang” ja eigentlich als ganz positiv und lebensbejahend empfinde.

Hier also nun erst einmal die Bilder und weiter unten dann noch einige Gedanken zur Auswahl und der künstlerischen Gestaltung:

Update 18.09.2012: Aufgrund von Problemen mit Flickr sind die Cartoons jetzt auf razzi.me zu finden.

 Die Auswahl

Ehrlich gesagt war ich etwas erstaunt über die Auswahl, die ihr getroffen habt. Ihr scheint in der Masse keine Clowns zu mögen. ;) Eingedenk der Tatsache, dass mein Geschmack ja eher nicht massenkompatibel ist, habe ich mich aber eurem Voting gebeugt. Es kam übrigens zu einem Gleichstand bei Bild 5 und 6. Da “Omega & Alpha” aber auch einer meiner Favoriten ist und außerdem die erste Idee war, die mir damals zu dem Thema gekommen ist, habe ich diesen Cartoon dem “Quereinsteiger” vorgezogen.

Zu recht weit vorne gesehen hab ich auch “Der (all-)tägliche Weltuntergang”, in dem aufmerksame Beobachter sicher eine Adaption meines Titelbildes für die aktuelle Psycho-Path-Ausgabe (die ich hier auch direkt verlinken würde, wenn sie denn schon online stünde …) erkannt haben, sowie “Frühjahrsputz”. Weiter oben verortet hätte ich die “Exekution” der Clownsnase, die ich immer noch zum Brüllen komisch finde, und “Schuss mit lustig” (schon wegen dem Wortspiel).

Etwas ratlos zurückgelassen hat mich die Begeisterung für “Reboot”. Eigentlich handelt es sich dabei nur um eine Weiterentwicklung des Witzes, in dem sich zwei Planeten treffen. Nr. 1 fragt: “Und, wie gehts dir?” Nr. 2 kratzt sich und meint: “Nicht gut, ich hab mir Menschen eingefangen.” Darauf entgegnet Nr. 1: “Macht nichts, das geht vorüber.” Ich bin ja gespannt, ob die vermutlich eher etwas ältere Jury etwas mit der digitalen Adaption anfangen kann. Nun ja, jetzt warten wir erstmal ab und wenn das Ergebnis nicht positiv ausfallen sollte, weiß ich ja, wer schuld ist. ;)

Die künstlerische Gestaltung

Zum Abschluss vielleicht noch einige Worte zur künstlerischen Gestaltung. Wenn man sich die Wettbewerbsbeiträge der letzten Jahre so anschaut, fällt die starke digitale Nachbearbeitung auf. Wie ihr oben seht, habe ich mich dafür entschieden, die Bilder komplett mit Farbe und Fineliner durchzuarbeiten und die Scans ohne großartige Bearbeitung einzureichen. Ziel war es zum einen, sich etwas von der Masse abzuheben, was mir vermutlich gelungen ist. Ob es sich auch positiv auf die Bewertung auswirkt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Zum anderen hatte ich ehrlich gesagt keine Lust auf den in meinen Augen unnötigen Aufwand bei der Bildbearbeitung. Nachdem ich aber inzwischen weiß, wie endlos lange es dauert, Cartoons per Hand zu kolorieren (da gingen insgesamt bestimmt 30 Arbeitsstunden für drauf), war das wohl das letzte Mal, dass ich für so etwas zum Pinsel gegriffen habe.

Für die Umrisse habe ich (nach der Vorarbeit mit Bleistift) Fineliner verwendet und die Flächen mit Acrylfarbe ausgemalt. Diese hab ich relativ dünnflüssig angemischt, um die Konturen nicht zu verdecken. Dadurch wirken einige der Bildbereiche sehr aquarellartig, während man in anderen sehr deutlich die Pinselstriche erkennt. Das war so nicht unbedingt vorgesehen, unterstreicht aber natürlich noch einmal den handwerklichen Gedanken bei der Erstellung. Weiße Flächen wurden bei der Bearbeitung ausgespart (analog zu Aquarellen). Das zieht den Blick beim Betrachten oft genau an diese Stellen. Ich habe deshalb versucht, sie immer dort anzubringen, wo sie das Verständnis für die Karikatur und die Pointe erhöhen. Deshalb ist der Clown beispielsweise immer weiß geschminkt und trägt ein weißes Hemd. Ob mir das im Einzelfall gelungen ist, müsst ihr entscheiden. Woran ich hingegen definitiv noch arbeiten muss, ist meine Schrift. Ich hab mir beim Schreiben wirklich Mühe gegeben und extra Hilfslinien gemalt, hab aber teilweise inzwischen selber Schwierigkeiten, die Sprechblasen zu entziffern.

 

So, das war jetzt am Ende ja doch ein relativ langer Beitrag. Es scheint, ich habe ein gewisses Mitteilungsbedürfnis, das auszuleben ich nun die Möglichkeit habe. Was den Wettbewerb angeht, halte ich euch an dieser Stelle auf jeden Fall auf dem Laufenden. Und wenn alles gut geht, könnt ihr eines oder mehrere der Bilder im Original vom 11.11.2012 bis  13.01.2013 im Haus der Presse der Sächsischen Zeitung bewundern. :)