May 052013
 

Nun also der etwas verspätete Bericht zu meiner zweiten Konferenzreise innerhalb von zwei Wochen. Anfang April ging es am Sonntag zuerst mit dem Fernbus nach Berlin und dann auf einem etwas unruhigen Flug direkt nach Paris. Dort suchten wir erst einmal das Hotel, das im Nordwesten der Innenstadt an der Metro-Station Porte de la Villette lag, kurz vor Beginn der Vororte (Banlieue). Aus Sightseeing-Sicht eine eher schlechte Ausgangslage, die uns in den kommenden Tagen viel Aufenthalt in der Pariser Metro verschaffte, für die Konferenz jedoch ideal. Der Konferenzort, das Museum für Wissenschaft und Industrie, befand sich quasi im Hinterhof des Hotels, wir hatten also keine 2 Minuten Anreiseweg. Das Museum ist auf interaktive Wissensvermittlung spezialisiert, ähnlich wie das Hygienemuseum in Dresden. Architektonisch ist es leider eine Katastrophe. Ich werde nie verstehen, warum Architekten bei Wissenschaft immer sofort an Sichtbeton und freiliegende Stahlträger, Glasfassaden und schreiende Farben denken. Fürchterlich.

  
Links: Das Hotel. Rechts: Nur im Dunkeln einigermaßen nett anzusehen – das Museum für Wissenschaft und Industrie.

 

Montmartre und Sacre Coeur

Am Sonntagabend machten wir erstmal einen kleinen Spaziergang nach Montmartre. Wobei “klein” hierbei etwa zwei Stunden meint. Auf dem Weg gab es einen schönen und auch mal weniger schönen Querschnitt durch die Pariser Alltagsarchitektur zu sehen. Von schön restaurierten Jugendstilhäusern über die Hochhäuser der Banlieue, hässlichen Funktionsbauten und Fabrikhallen war alles dabei. In Montmartre dominieren dabei natürlich die sanierten und detailverliebt verzierten Altbauten aus dem 19. sowie dem beginnenden 20. Jahrhundert, schließlich ist es eines der teuersten Stadtviertel im ohnehin schon teuren Paris. (Irgendwoher hörte ich die Hausnummer von 1000€ Kaltmiete für ein 13-Quadratmeterzimmer ohne Bad.) Das Viertel befindet sich im nördlichen Innenstadtbereich auf dem gleichnamigen Hügel, der mit 130m höchsten natürlichen Erhebung in Paris. Die Häuser sind durch kleine, vor sich hin mäandernde und in ihrem Verlauf nicht immer ganz nachvollziehbare Gässchen getrennt. Letztlich nicht viel anders als in anderen europäischen Altstädten wie in Wien oder Görlitz. Nicht umsonst werden Filme, die im Paris des 19. Jahrhunderts spielen, auch gerne in Görlitz gedreht.

  

 
Auch die Restaurants sind dort oben sauteuer, wie wir auf der Suche nach einer Abendbrot-Gelegenheit feststellten. Letztlich wurde es dann für mich nur ein (allerdings satt machender) Hotdog und ein Crepes für insgesamt 6 €.
Anschließend näherten wir uns von Osten aus der Sacre Coeur, der berühmten Kirche auf der Spitze des Montmartre. Es war inzwischen schon dunkel, so dass die Bilder aufgrund der langen Belichtungszeit und des fehlenden Stativs teilweise etwas verwackelt sind. Die Kirche selbst ist sowohl außen als auch innen sehr schön gestaltet. Sie wird auch noch als Gotteshaus genutzt. Bei unserer Ankunft beteten gerade eine paar Nonnen zusammen mit einigen Gläubigern und sangen dabei.

  
  
Verschiedene Detailansichten der Sacre Coeur.

 
Auf dem Vorplatz südlich der Sacre Coeur boten Straßenverkäufer allerlei Schnickschnack an, so wie überall im Umfeld der großen Sehenswürdigkeiten. Von dort hat man auch einen schönen Blick auf Paris, wobei bei unserem nächtlichen Besuch vor allem der Eiffelturm aus dem Dunkel herausstach, der nachts aufwendig und nicht unbedingt geschmackssicher beleuchtet wird. So kreist beispielsweise auf der Spitze des Turms immer ein Scheinwerfer und verbreitet den Eindruck von Diskobeleuchtung oder Flugabwehr.

  
Links: Sacre Coeur. Rechts: Die französische Flugabwehr Der Eiffelturm bei Nacht.

 
Auf dem Rückweg nahmen wir dann die berühmten Treppen zu (bzw. von) der Sacre Coeur. Fußschwache oder faule Leute können auch die danebenliegende Standseilbahn nutzen, die die 36 Höhenmeter auf einer Strecke von 108 Metern in anderthalb Minuten überwindet. Am Fuße der Treppen deckte ich mich dann erst einmal mit Postkarten ein, die ich mangels Briefmarken aber erst am Abreisetag verschicken konnte. Ins Hotel zurück ging es dann aber doch mit der Metro, wir waren an diesem Tag schon genug gelaufen.
 

Vom Arc de Triomphe zum Louvre

Am Montag begann dann offiziell die Konferenz im Museum für Wissenschaft und Industrie. Die Konferenzausrichter haben dort einen Teil ihrer Labore untergebracht und können so auf Museumsbesucher als Versuchspersonen zurückgreifen – eine clevere Idee. Nach der Konferenz fuhren wir mit der Metro zum Arc de Triomphe und liefen dann die Champs Elysees hinunter in Richtung Louvre. Die Champs Elysees ist vor allem eine viel befahrene und entsprechend laute Verkehrsstraße und Einkaufsmeile. Hübsch ist sie eigentlich nur aus der Ferne, beispielsweise wenn man im Nachtdunkel die Vorder- und Rücklichter der Verkehrskarawane vor dem angestrahlten Arc de Triomphe leuchten sieht.

  
  

 
Auf Höhe des Invalidendoms bogen wir dann noch einmal in Richtung Seine ab, um eine der schönsten Brücken Paris’ zu sehen: Die Pont du Alexandre III, ein Geschenk des gleichnamigen russischen Zaren. Von hier aus konnte man – wie auch schon vom Triumphbogen – einen Blick auf den Eiffelturm erhaschen, der sich nicht weit entfernt erhob.

    
  

 
Nach diesem kleinen Abstecher kehrten wir auf unsere ursprüngliche Route zurück und erreichten schließlich den Place de la Concorde mit dem darauf stehenden Obelisken von Luxor. Der Obelisk ist 3300 Jahre alt und stand ursprünglich am Eingang des Tempels von Luxor in Theben. Sein Bruder steht auch immer noch dort, er jedoch wurde im Jahre 1836 als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an den französischen König nach Paris gebracht.

  

 
Inzwischen hatte sich die Nacht über Paris gelegt. Als wir nun auf dem Place de la Concorde standen, wurde die Beleuchtung des Eiffelturmes, der auch von hier zu sehen ist, eingeschaltet. Was soll man sagen? Es ist eine ziemliche Lichtershow, mit dem schon beschriebenen Flak-Scheinwerfer und vielen ständig aufblinkenden Lichtern rund um die Stahlkonstruktion. Das Ganze könnte so problemlos auch in Las Vegas stehen. Ob das aber die angemessene Art und Weise ist, so ein Baudenkmal in Szene zu setzen, darf getrost bezweifelt werden.

  

 
Vom Place de la Concorde kann man eigentlich durch den Jardin des Tuileries, einen ehemaligen Schlosspark, direkt auf den Louvre zulaufen. Leider war der zu so später Stunde schon geschlossen, so dass wir an seinen Außenmauern entlang gehen mussten. Am Louvre machten wir noch einige Fotos, bevor es mit der Metro zurück zum Hotel ging.

    
Links: Der verschlossene Jardin des Tuileries. Mitte: An seinen Außenmauern. Rechts: Louvre.

 

Der Eiffelturm

Der Plan für den Dienstag sah vor, den Rodinpark in der Nähe des Invalidendoms zu besuchen, dann zum und auf den Eiffelturm zu gehen und auf dem Rückweg noch einmal in den Invalidendom hineinzuschauen, indem sich das Grab Napoleons befindet. Letztlich war der Rodinpark schon geschlossen, als wir dort nach Ende der Konferenz auftauchten. Wir machten aber zumindest ein paar Außenaufnahmen des Invalidendoms und des vorgelagerten Parks und gingen dann über den Champs de Mars in Richtung Eiffelturm.

  
Invalidendom.
  
Eiffelturm.

 
Da ich für die am Sonntag gekauften Postkarten noch Briefmarken brauchte, suchte ich zuerst das sich dort befindende “Postamt im Eiffelturm” auf. Leider bestand das nur noch aus einem Selbstbedienungsautomaten in einem kleinen Raum in einem der Füße des Turms, der zu allem Überfluss auch keine Briefmarken mehr ausgab.

Wir entschieden uns, bis zur zweiten Plattform die Treppen zu nehmen. Das Wetter war wechselhaft und zeitweise bekamen wir etwas Regen ab, aber wir kamen recht schnell vor- beziehungsweise aufwärts. Das Wetter sorgte schließlich sogar dafür, dass wir auf dem Weg von der ersten zur zweiten Plattform einen wunderschönen durchgängigen Regenbogen sehen konnten, der sich schließlich sogar zum Doppelregenbogen entwickelte.

  

 
Der Weg auf die Spitze des Eiffelturms führt nur über einen Fahrstuhl, der noch einmal 6 € kostet (zusätzlich zu den 5 € für die Benutzung der Treppen). Aufgrund der Uhrzeit, des Wetters und eines rasch zunehmenden Hungergefühls brachen wir den Aufstieg daher ab. Den Invalidendom zu besuchen hätte sich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr gelohnt, so dass dieser Programmpunkt auch ausfiel. Auf dem Rückweg kauften wir in einem Supermarkt dann noch standesgemäß Baguette und Weintrauben, die wir im Hotel zum Abendbrot aßen. Und weil es so schön war, noch ein paar Bilder vom Eiffelturm und vom Eiffelturm:

    
  
  

 

Der Louvre – erster Versuch

Der Mittwoch war durchgängig regnerisch, es war also ideales Museumswetter. Wie gut, dass wir uns den Louvre für heute aufgehoben hatten. Als wir dort nach der Konferenz jedoch eintrafen, folgte die böse Überraschung: Ausgerechnet heute hatte sich das Wachpersonal entschlossen, die städtischen Museen zu bestreiken. Offiziell forderten sie mehr Personal, um der gestiegenen Zahl an Taschendiebstählen entgegenwirken zu können. Wir glaubten jedoch, dass sie einfach das Champions-League Viertelfinale Paris St. Germain gegen FC Barcelonsa sehen wollten, das an diesem Abend stattfand. Damit verband sich unsere Hoffnung, dass der Streik sich nicht auf den nächsten Tag – unseren Abflugtag – ausweiten würde und wir den Donnerstagvormittag vielleicht noch einmal für einen Besuch nutzen könnten.

Einstweilen ging es aber erst einmal wieder hinaus in den Nieselregen und in Richtung der Île de la Cité, dem ältesten Teil Paris, gelegen auf einer Insel mitten in der Seine. Vorbei kamen wir dabei auch an der Pont des Arts, an deren Brückengeländer verliebte Paare Schlösser als Beweis der Ewigkeit ihrer Liebe hinterlassen (die dann von Zeit zu Zeit von den Behörden wieder abgeräumt werden).

  

 
Auf der Île de la Cité findet man unter anderem auch die bekannte Notre Dame. Diese wird dieses Jahr 850 Jahre alt und die Franzosen haben sich etwas ganz besonderes einfallen lassen: Sie haben auf dem Vorplatz der Notre Dame eine riesige himmelblaue Konstruktion aufgebaut, in der unter anderem von der Geschichte der Kirche berichtet wird. Dummerweise ist der Blick auf die Kirche damit verbaut – aber bei dem Regen wären ohnehin keine brauchbaren Fotos drin gewesen.

  
Links: Île de la Cité. Rechts: Notre Dame.

 
Schließlich hielten wir es draußen nicht mehr aus und flohen vor dem stärker werdenden Regen in eine kleine Creperie neben der Notre Dame, wo wir zu Abend aßen. Hier machte ich die Bekanntschaft mit einer entzückenden Restaurantkatze, die sich spontan in mich verliebte und nicht mehr von meiner Seite wich, bis es dem Kellner zu bunt wurde und er sie verscheuchte. Auf dem Rückweg schauten wir dann nochmal in den Louvre rein, dessen Foyer noch offen war (nur die Ausstellungen waren vom Streik betroffen) und machten das obligatorische Foto von der umgedrehten Pyramide.

  
Links: Meine neue Freundin. Rechts: Die umgedrehte Pyramide im Louvre.

 

Der Louvre – zweiter Versuch

Glücklicherweise war der Louvre am Donnerstag geöffnet (St. Germain hatte 2:2 gespielt) und wir konnten dort den Vormittag verbringen, bevor unser Flieger um halb vier nachmittags abhob. Unerwarteterweise konnten wir sogar unser Gepäck mit hinein nehmen, es gibt dort extra einen kostenlosen Aufbewahrungsservice. Auch ein Postamt ist vorhanden, ich konnte also endlich meine Postkarten loswerden. Der Louvre, ehemaliger Königspalast und jetzt eines der berühmtesten Museen der Welt, ist architektonisch ziemlich beeindruckend. Die Ausstellungen sind auch riesig, aber aufgrund der gerademal drei Stunden, die wir dort zugebracht haben, kann ich mir über die Qualität kein fundiertes Urteil erlauben.

  
Links: Deckengestaltung. Rechts: Ausstellungsraum.
  
Deckengestaltung.

 
Wir haben die drei wichtigsten Kunstwerke gesehen – Mona Lisa, Nike und Venus von Milo – und sind dann einmal quer durch die verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte gewandert. Zwischendurch hat man auch immer mal wieder Künstler gesehen, die ein bestimmtes Bild abgemalt haben. Da alle dafür die gleiche Ausrüstung nutzten, wird diese vielleicht sogar vom Louvre bereitgestellt. Ich muss mich wohl mal erkundigen, was man tun muss, um da mitzumachen. ;)

  
Links: Die Nike von Samothrace (2100 Jahre alt). Rechts: Auf dem Weg zur Mona Lisa.
  
Links: Die Mona Lisa. Rechts: Die Rückseite der Mona Lisa.
  
Links: Die Venus von Milo. Rechts: Die Kopie eines Gemäldes.
  
Links: Ein Foto von einem Gemälde aus dem Louvre, das einen Maler im Louvre beim Abmalen eines Gemäldes aus dem Louvre zeigt – wie kompliziert. Rechts: Blick auf den Eingang.

 
Den Flughafen erreichten wir kurz vor Schluss des Check-Ins. Für zwei Drittel von uns hatte das eine Hochbuchung in die Premium Economy zur Folge (mit einer richtigen Mahlzeit statt nur einem Keks :) ), eine Kollegin musste sich aber leider in die letzte Reihe setzen, weil der Check-In bei ihr angeblich schon geschlossen gewesen sei und wieder aufgemacht werden musste. In Berlin erreichten wir trotz eines recht knappen Zeitfensters pünktlich unseren Bus nach Dresden und waren dann gegen 21 Uhr wieder daheim.

Das Fazit

Mein Allgemeineindruck: Paris ist eine sehr schöne Stadt. Sowohl architektonisch als auch von den Menschen her. ;) Die meisten sind höflich und die melodische Sprache tut ihr Übriges zum Wohlbefinden (“Pardon” klingt einfach schöner als “Machen se mal Platz.”). Insgesamt scheint man aber auch ein sehr hohes Sicherheitsbedürfnis zu haben. Fast überall gibt es mannshohe Zäune vor Wohnanlagen, viel Security und sogar patroullierende Soldaten in der Metro. Vor dem Aufstieg auf den Eiffelturm muss man sich einer Taschenkontrolle unterziehen und durch einen Metalldetektor gehen (andererseits wird man auch einfach durchgewunken, wenn es – natürlich nur wegen der Gürtelschnalle – piepst) und im Louvre werden mitgebrachte Taschen standardmäßig gescannt.
Essen und Wohnen ist in Paris teuer, aber nicht unbedingt gut. Der Besuch von Sehenswürdigkeiten geht auch ganz schön ins Geld. Da bleibt dann auch nicht mehr viel übrig, was man den Straßenmusikern geben könnte, die sich in der Nähe von Sehenswürdigkeiten oder auch mal in Regionalbahn und Metrowagen einfinden.
Insgesamt aber dennoch eine Stadt, in der man es durchaus auch mal länger als ein paar Tage aushalten kann – wenn man denn die Sprache spricht. Denn wie oft in Frankreich, so gilt auch hier: Selbst wenn die Leute Englisch verstehen, weigern sie sich oft, es zu sprechen. Wie dem auch sei: Ich hab jetzt erstmal begonnen, Französisch zu lernen. Und wir werden mal sehen, wann und wie lange die Stadt mich wiedersieht. :)

Links:
Weitere Fotos aus Paris.

Apr 052013
 

Letzte Woche fand nun endlich die schon lange angekündigte Konferenz in Wien statt. Nach fünfeinhalbstündiger Fahrt durch das verschneite Sachsen und das verschneite Tschechien sowie das verschneite Niederösterreich kamen wir schließlich im verschneiten Wien an. Das Wetter sollte sich in den nächsten Tagen nicht ändern. Erst als meine Kollegen abgereist waren und mich mit meinen zwei weiteren Tagen Urlaub zurückließen, besserte es sich spürbar. Daher lassen sich auch alle geschossenen Fotos zeitlich sehr gut einordnen: Schnee und wolkenverhangener Himmel sprechen für eine Aufnahme von Sonntag bis Mittwoch, Bilder mit Sonne und ohne Schnee stammen von Donnerstag oder Freitag.

Wir waren in einer Ferienwohnung im 7. Bezirk untergebracht. Die Bezirksverteilung in Wien sieht wie folgt aus: In der Mitte, wo sich der Großteil der Sehenswürdigkeiten und die Touristenmassen befinden, ist der erste Bezirk. Darum herum gruppieren sich die einstelligen Bezirke und dort herum, in der Peripherie, noch einmal die Zweistelligen. Wir waren also vergleichsweise zentral untergebracht und hatten bis zur Uni, die sich im ersten Bezirk befand, nur etwa eine halbe Stunde Fußweg zu bewältigen.

Die Ferienwohnung befand sich in einem Altbau über einer Gaststätte und war sehr geschmackvoll eingerichtet. Selbst die für Psychologen gerade im freudschen Wien unabdingbare rote Couch war vorhanden. Die Unterbringung im Altbau war dabei jedoch keine Besonderheit, etwas anderes scheint es in Wien nicht zu geben. Ich habe nirgendwo Neubaublöcke gesehen, wie sie in Deutschland überall zu finden sind. Das mag auch daran liegen, dass sie Stadt vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb und in der Nachkriegszeit daher nicht schnell viel Wohnraum geschaffen werden musste. In Wien kann man sogar noch original Flak-Türme besichtigen, deren Sprengung kurz nach dem Krieg an den Unmassen von verbautem Beton und der daraus resultierenden Widerstandskraft scheiterte (zumindest etwas, was in Österreich einmal Widerstand geleistet hat …).

  

 
Die Stadt selbst hat auf mich den Eindruck einer großen Ausgabe von Görlitz gemacht. Die Straßenzüge bestehen aus unsanierten, aber gut erhaltenen Gründerzeithäusern, die an schmalen Gassen stehen (namenstechnisch besteht Wien nur aus “Gassen” und “Ringen”, “Straßen” treten allenfalls in homöopathischen Dosen auf). Wien ist zudem die gefühlte Königin der Einbahnstraßen, was wohl der Grund ist, warum der ÖPNV sehr gut ausgebaut und stark frequentiert ist. In Bezug auf die Wohnhäuser hat mich ein wenig verwundert, dass das Konzept der Doppelglasfenster weitgehend unbekannt zu sein scheint. Dabei sollte sich das doch gerade in dieser Region durchaus auf die Heizkosten auswirken.

  
  

 
Die Konferenz fand an der Universität Wien statt, der ältesten (seit 1365) und größten (91.000 Studenten) Universität im deutschsprachigen Raum. Zudem ist sie die “internationalste” Uni Zentraleuropas, mit nach eigenen Angaben 25% ausländischen Studierenden und 80% ausländischen Mitarbeitern. Das Hauptgebäude selbst ist eine Sehenswürdigkeit. Es entstand in der Epoche des Historismus und ist stilistisch an die Renaissance angelehnt. Innerhalb des Gebäudes gibt es einen Arkadenhof, an dessen Mauern die Büsten und Reliefs von über 150 Wiener Gelehrten zu finden sind.

  
  

 
Ein Großteil der “klassischen” Sehenswürdigkeiten befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Uni-Hauptgebäudes. Nördlich schließt sich die gotische Votivkirche an, in der vor einigen Monaten die Mitglieder eines österreichischen Flüchtlings-Protestcamps Zuflucht suchten. Südlich liegen das dem Gotischen nachempfundene Rathaus (mit brauchbarer Blickachse auf das Burgtheater direkt gegenüber) sowie das Parlament (alt-griechischer Stil).

  
Links: Votivkirche. Rechts: Rathaus vom Heldenplatz aus gesehen.
  
Links: Burgtheater. Rechts: Österreichisches Parlament

 
Schräg gegenüber vom Parlament findet man dann schon die Hofburg, die entgegen des Namens keine Burg irgendwo auf einem Berg ist, sondern ein Komplex aus Gebäuden und Plätzen mitten in der Stadt. Die Hofburg war etwa sechs Jahrhunderte lang die Residenz der Habsburger in Wien. 1938 erklärte Hitler am in ihr befindlichen Heldenplatz den “Anschluss” Österreichs ans Deutsche Reich (siehe dazu auch Thomas Bernhard: Heldenplatz). Seit 1945 sind hier der Sitz des österreichischen Bundespräsidenten sowie diverse Museen und die Nationalbibliothek untergebracht. Auch die berühmte Spanische Hofreitschule befindet sich hier. Südlich der Hofburg schließt sich die Oper und der Naschmarkt an. Etwas nordöstlich findet man den Stephansdom.

  
Links: Äußeres Burgtor. Rechts: Heldenplatz mit Blick auf die Neue Burg.
  
Links: Michaelertrakt. Rechts: Blick in die Kuppel.
  
Links: Oper. Rechts: Stephansdom.

 
All diese Sehenswürdigkeiten hab ich zumindest von außen gesehen. Nicht geschafft hab ich den Wiener Prater (eine Parklandschaft mit integriertem Vergnügungspark), der aber bei dem nasskalten Wetter wahrscheinlich ohnehin keinen Spaß gemacht hätte. Ich ärgere mich mehr darüber, dass ich keins der von Hundertwasser gestalteten Häuser zu Gesicht bekommen habe. Zu nennen wären hier vor allem das Hundertwasser-Krawina-Haus und die Müllverbrennungsanlage Spittelau, wobei ich letztere zumindest kurz bei unserer Ankunft erspähte, bevor sie von der Dämmerung verschluckt wurde.

Neben der bekannten Kaffeekultur (ich habe VIEL Kaffee getrunken in diesen Tagen) hat Wien auch kulinarisch einiges zu bieten. Gegessen habe ich beispielsweise das berühmte Wiener Schnitzel. Das gibt es entweder im Original aus Kalbfleisch oder in der günstigeren Touri-Variante aus Schwein oder Huhn. Serviert wird es ohne Soße, sondern nur mit einer halben Zitrone und etwas Erdapfelsalat (Kartoffelsalat). Der Salat wird nicht mit Mayonnaise, sondern mit Essig und Öl zubereitet, was die ganze Mahlzeit etwas weniger trocken macht. Als Dessert gab es dazu stilecht Apfelstrudel mit Schlagobers (Schlagsahne). Im ältesten Gasthaus am Naschmarkt, „Zur eisernen Zeit“, habe ich das selbsternannt beste Gulasch von Wien gegessen (war aber wirklich gut) und andernorts auch Sachertorte probiert.

Nach der Konferenz bin ich in die WG von Bekannten einer Bekannten übergesiedelt. Die lag in Meidling (12. Bezirk), also schon etwas weiter außerhalb. Da lernte ich dann auch endlich einmal das gut ausgebaute U-Bahn-Netz zu schätzen. Der ÖPNV ist für Kurzreisende vergleichsweise teuer (6,70 € für 24-Stunden-Karte), allerdings sind Monats- und Jahreskarten dafür wohl vergleichsweise billig. Die letzten zwei Tagen waren dann im Wesentlichen noch einmal dem Sightseeing gewidmet. Hierbei habe ich dann auch endlich mal etwas Subkultur zwischen all den alten dekorativen Steinhaufen entdeckt – am Donaukanal findet sich eine Menge Streetart. Außerdem war ich mit besagter Bekannten noch im “Haus der Musik”, einem Museum zu den Wiener Philharmonikern und einheimischen Komponisten, das aber auch eine gut ausgebaute interaktive Komponente ähnlich dem Dresdner Hygienemuseum hat. Kann ich nur empfehlen.

  
  
  

 
Insgesamt ist Wien nett, ich würde dort aber glaub ich nicht leben wollen. Es ist für meine Begriffe zu sauber, zu geleckt. Ich hab mich teilweise wie in einem potemkinschen Dorf gefühlt. Die Leute sind nicht unbedingt offen, aber prinzipiell nett und höflich (wenn man von einigen Kellnern absieht, die wohl unbedingt die Wiener Granteligkeit pflegen wollen). Wien gilt als die Stadt mit der weltweit höchsten Lebenszufriedenheit. Und vielleicht ist es genau das, was mich abschreckt: Zufriedene Menschen sind mir eben doch immer ein wenig suspekt.

Links:
Alle Fotos meines Wien-Besuchs
Streetart in Wien

Oct 172012
 

Dieser Beitrag entstand ebenfalls noch im Urlaub, direkt nach meiner Ankunft aus Zypern. Etwaige Wahrnehmungsverzerrungen sind der Urlaubshypomanie zuzuschreiben.

Hach, Berlin. Auch so eine Stadt, in der man mal länger leben könnte. Aber das sag ich ja eigentlich auch bei jeder Stadt, die ich kennenlerne – außer vielleicht bei Tomsk, nach Tomsk muss ich nun wirklich nicht nochmal zurück.

Trotz oder gerade wegen all des Gewusels wirken die Menschen in Berlin irgendwie sehr viel entspannter und offener als anderswo. Ich hab auf der Straße noch nie so viele Lächeln geschenkt bekommen, wie in den vergangenen zwei Tagen. Gut, vielleicht haben sich die Leute auch nur über mein sonnenverbranntes Gesicht amüsiert. Aber was solls, ein Lächeln ist ein Lächeln. :)

Am Freitag traf ich mich mit Caro, einer Freundin aus Kindertagen, die es vor etwa 15 Jahren zuerst ins Berliner Umland und dann in die Hauptstadt selbst verschlagen hat. Ich hab sie bei sich zu Hause besucht und wir haben ein wenig gequatscht und sind dann losgezogen, um noch einige Freunde von ihr zu treffen. Zwischendurch hatte sie mir schon zwei Vorschläge zur Abendgestaltung unterbreitet: entweder mit ihr und einigen Freunden zusammen das jüdische Neujahr feiern oder mit einigen anderen Freunden zu einem Bandcontest gehen, an dem einer aus der Clique teilnahm. Tja, so ist Berlin – immer was los und egal für was man sich entscheidet, man verpasst definitiv irgendetwas anderes.

Treffpunkt war ein türkischer Straßenmarkt in Kreuzberg, wo wir dann einigen Straßenmusikern lauschten und quatschten. Auf dem Rückweg bekamen wir dann noch einen riesigen Strauß Gladiolen (es kann auch was anderes potentiell Blühendes mit G gewesen sein, ich kann mir Pflanzennamen einfach nicht merken) geschenkt, den ich dann erstmal in der U-Bahn und dann noch ein Stück bis zum Haus der Freundin tragen durfte. Auch das brachte mir auf der Straße wieder ein paar Lächler ein. Ach, ich glaub ich mag Berliner.

Bei Caros Freundin tranken wir dann noch einen Tee und dann war die Zeit gekommen, mich hinsichtlich meiner Abendgestaltung zu entscheiden. Ich hab mich letztlich gegen das jüdische Neujahrsfest entschieden. Zum Einen, weil der Abend vorwiegend in Hebräisch abgelaufen wäre und meine Hebräisch-Kenntnisse so tendenziell nicht vorhanden sind. Zum Anderen weil ich mir nicht sicher war, ob es die anderen Gäste so toll gefunden hätten, wenn da plötzlich ein Deutscher aufkreuzt, der mit dem ganzen Zeremoniell überhaupt nicht vertraut ist. Auch den Bandcontest hab ich sausen lassen und bin stattdessen zurück ins Hotel, um mein Schlafdefizit endlich einmal abzubauen – das war einfach dringend nötig.

Den Samstag hab ich denn mit Sightseeing-Touri-Kram begonnen. Ich muss wohl nicht näher drauf eingehen, ihr kennt die üblichen Sehenswürdigkeiten sicher auch alle. Auffallend war, dass im “Touri-Areal”, also Regierungsviertel, Potsdamer Platz, Unter den Linden und Alexanderplatz ziemlich viel gebaut wurde. Hätt ich nicht gedacht, wo Berlin doch angeblich kein Geld hat.

  
Potsdamer Platz.
  
Holocaust-Mahnmal.
  
Links: Rotes Rathaus, rechts: Berliner Dom.
  
Links: Fernsehturm, rechts: Reichstag.

 

Nach der Fototour bin ich dann noch ins Dalí-Museum gegangen. Das hatte ich am Vortag zufällig in einer Seitenstraße des Potsdamer Platzes entdeckt und musste natürlich unbedingt hin. Schließlich hab ich ohnehin eine Neigung zum Surrealismus und Dalí ist einer meiner Lieblinge. Das Museum zeigt nicht die üblichen Gemälde, sondern viele Zeichnungen, Radierungen, Lithografien von Salvador, einige seiner Skulpturen (Die Venus von Milo mit Schubladen. Einfach fantastisch. Sowas bräucht ich in Kleiderschrankgröße.) und andere Projekte wie Filme, Magazincover, Medaillen (z.B. die Olympia-Silbermedaillen von Los Angeles 1984) oder ein Kartenspiel. Der Typ wusste schon, wie er möglichst jedes Produkt seines Schaffens zu Geld machen konnte. In jedem Fall eine sehr schöne Ausstellung, kann ich jedem nur ans Herz legen – zumindest, wenn man sich dafür interessiert.

Am Abend war ich dann nochmal im Regierungsviertel, weil nach Einbruch der Dunkelheit eine “Film- und Lichtprojektion” am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus angekündigt war, die sich thematisch mit der Geschichte des Reichstagsgebäudes beschäftigen sollte. Faktisch war es dann ein Lehrfilm über die deutsche Geschichte und die Rolle des Parlaments darin, gewürzt mit ziemlich viel Lokalpatriotismus. Das sind dann die Momente, wo Berlin plötzlich ziemlich provinziell und sich selbst überschätzend wirkt.

Nichtsdestotrotz eine nette Stadt, vor allem mit netten Menschen. Sagte ich schon, dass ich die Menschen hier mag? Leute, die mich anlächeln sind mir definitiv lieber als solche, die mich grimmig anstarren oder durch mich hindurch schauen (nicht wahr, liebe Dresdner?!).

Alle Bilder meines Berlinausflugs gibts hier.

Oct 072012
 

Für alle, die in den letzten Wochen nicht regelmäßig meine Reiseberichte lasen, dies nun aber doch noch nachholen wollen, stelle ich in diesem Beitrag nochmal alle Links zu den einzelnen Teilen sowie zu den Fotogalerien zusammen.

Tag 1 – Die Ankunft | Fotogalerie zu Tag 1
Tag 2 – Der erste Sonnenbrand | Fotogalerie zu Tag 2
Tag 3 – Die letzte geteilte Hauptstadt der Welt | Fotogalerie zu Tag 3
Tag 4 – Das Gebirge | Fotogalerie zu Tag 4
Tag 5-6 – Sonnenbadetage | Fotogalerie zu Tag 5-6
Tag 7-8 – Die Akamas-Halbinsel / Der Abschied | Fotogalerie zu Tag 7-8

Wem die chronologische Anordnung der Fotos zu unstrukturiert ist, für den hab ich noch zwei Alternativen anzubieten. Es handelt sich dabei um die gleichen Fotos wie oben, wer sich dort also schon durchgeklickt hat, wird hier nichts Neues finden.

Regionale Sortierung

Akamas-Halbinsel
Nikosia
Paphos
Troodos-Gebirge

Thematische Sortierung

Tiere
Natur
Historische Stätten
Kurioses

Oct 052012
 

Heute also wieder eine Safari-Jeep-Tour, und wie es der Zufall und die geringe Anzahl deutschsprachiger Fahrer so will, mit dem gleichen Fahrer wie ins Troodos-Gebirge. Insgesamt war die Fahrt nicht ganz so amüsant wie am Sonntag, vor allem weil der Obstklau-Teil fehlte und weil die Gruppe, mit der ich unterwegs war, nicht ganz so lustig drauf war. Außerdem waren 2 Briten mit dabei, so dass der Fahrer alles zuerst auf Deutsch und dann noch einmal auf Englisch erklären musste, was die Zeit für seine Anekdoten auffraß und ihn wohl auch etwas anstrengte.

Erster Stop war die Avagas-Schlucht, ein etwa 4km langer Canyon, der seinen Namen von den vielen dort brütenden Vögeln (“Eierschlucht”) hat. Durch die Schlucht fließt der Avagas-Bach, dem man beim Begehen der Schlucht unzählige Male überqueren muss, gerne auch mit nur ein paar rutschigen Steinen im Flussbett als Tritthilfe. Wir sind ein Stückhen hineingelaufen, bis die Schlucht richtig eng wurde. Da dahinter erhöhte Steinschlaggefahr besteht und man dort besser festes Schuhwerk tragen und seine Trekking-Ausrüstung dabei haben sollte, ging es dann wieder zurück. In diesem Gebiet sind oft halbwilde Ziegen zu sehen und einige aus meiner Gruppe behaupten auch, welche gesehen zu haben, aber ich konnte nichts entdecken. Ich hab einfach mal blind mt der Kamera drauf gehalten, vielleicht finden sich auf den Bildern ja noch Ziegenanzeichen.

  
Links: Keine Ziegen zu sehen, rechts: Dafür Vögel in Hülle und Fülle.
  
In der Avagas-Schlucht.

 

Anschließend ging es weiter in die Lara Bay. In der Lara Bay paaren sich jedes Jahr viele Meeresschildkröten und vergraben dann ihre Eier im Sand. Die daraus geschlüpften Schildkröten kehren als Erwachsene (wenn sie zu den glücklichen 3% gehören, die so lange leben) irgendwann wieder an den Strand ihrer Geburt zurück, um ihrerseits Nachkommen zu zeugen. Ein Forscherteam kümmert sich darum, dass den Nestern nichts passiert und transportiert auch Gelege von Touristenstränden in die Lara Bay, damit die Schildkröten dort schlüpfen können. Da die kleinen Schildkröten sofort ins Wasser rennen, wenn sie geschlüpft sind, habe ich natürlich keine in freier Wildbahn gesehen. Allerdings gibt es für Touristen ein kleines Wasserbassin, in dem ein paar Tage alte Junge gehalten werden (alle paar Tage werden die frei gelassen und ein paar “frische” Tiere eingesetzt), so dass mir ein paar schöne Fotos gelungen sind. Das ist ein Stück weit auch eine Überlebensgarantie für diese Tiere, denn in den ersten Lebenstagen ist ihr Panzer noch weich und sie damit ein gefundenes Fressen für Raubvögel und -fische.

  
Lara Bay.
  
Links: Wie überall gibt es auch hier wilde Katzen, rechts: Babyschildkröten.

 

Anschließend ging es offroad zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen schönen Blick über die gesamte Akamas-Halbinsel hatte und danach zum Mittagessen nach Latsi im Norden. Das Essen war diesmal leider nicht sonderlich zypriotisch angehaucht, sondern mit Pasta, Couscous, Kartoffelecken und Hühnchen sehr auf den touristischen Geschmack zugeschnitten.

  
Links: Blick über den Akamas, rechts: Doch noch ein paar halbwilde Ziegen.

 

Es folgte der Besuch das etwas oberhalb von Latsi gelegenen Bades der Aphrodite. Der Legende nach hat Aphrodite mehrmals in dieser Quelle gebadet und ist dem Wasser jedes Mal noch schöner und jünger entstiegen. Auch heute sagt man dem Wasser noch eine verschönernde und verjüngernde Wirkung nach, wenn man sich damit wäscht. Ich hab sowas ja eigentlich nicht nötig – aber es war so warm und das Quellwasser versprach etwas Abkühlung. Also hab ich mir dann doch ein wenig das Gesicht benetzt. ;)


Bad der Aphrodite.

 

Als nächster Programmpunkt stand ein einstündiger Badeaufenthalt am Strand von Latsi an. Der Strand war schöner als in Pafos – aber auch hier war das letzte Stück ins Wasser und der Meeresboden von Kieseln und kleinen Steinen durchzogen. Positiv ist hervorzuheben, dass man nicht ewig laufen musste, um bis zum Hals im Wasser zu stehen und dass die See an der Nordküste sehr viel ruhiger war und es keine unberechenbaren Strömungen gab. Ich glaube aber nicht, dass es wirklich der schönste Strand der Insel war – da gibts bei Agia Napa (dem Ballermann Zyperns) bestimmt noch Besseres.

Anschließend gings auch schon wieder zurück. Noch ein kleiner Halt bei einem Aussichtspunkt über die Coral Bay zwischen Pafos und dem Akamas, und dann war ich auch schon wieder im Hotel. Der Rest des Abends verging mit Packen, schließlich steht ja morgen schon wieder die Heimreise an.


Golden Bay.

 

Insgesamt war es ein sehr schöner, vor allem sehr abwechslungsreicher Urlaub. Ich kann Zypern eigentlich nur jedem weiterempfehlen. Egal was man will, hier hat man es. Man kann einen Badeurlaub verbringen, man kann historische Stätten besuchen, man kann im Troodosgebirge oder auf dem Akamas wandern, man kann sich in Agia Napa volllaufen lassen, man kann im Winter sogar Ski fahren. Und das alles auf nicht mal 10000 km², die zur Hälfte auch noch besetzt sind (wenn noch etwas Zeit bleibt, könnte man also auch noch ein Land wiedervereinigen).

 

Am Abreisetag musste ich bis Mittag auschecken, hatte aber noch bis 17 Uhr, bevor mich mein Transfer zum Flughafen in Larnaca bringen würde. Genug Zeit, um noch ein paar kleinere kulturelle Leckerbissen zu konsumieren.

Dank einer glücklichen Fügung waren die Opernaufführungen am Kastell inzwischen beendet und man konnte es wieder besichtigen. Viel zu sehen gab es allerdings nicht. Der Bau besteht im unteren Bereich aus einer größeren Halle, von der einzelne kleine Zimmer abgehen. Oben kann man einen Blick über die Brüstung werfen. Der Ausbilick ist jetzt allerdings nicht sonderlich umwerfend beziehungsweise gibt es genug andere Punkte in und um Pafos, von denen man wahlweise mehr von der Insel oder mehr vom Meer sieht. Die 1,70€ Eintritt war es definitiv nicht wert.

  
Kastell von innen.

 

Zweiter Anlaufpunkt waren die fränkischen Bäder. Diese befinden sich direkt neben der Ayia Kyriaki Chrysopolitissa, bei meinem ersten Besuch hatte ich sie aber übersehen. Es sind auch nur wenige Überreste vorhanden. Sie stammen, wie der Name schon sagt, aus der fränkischen Epoche der Insel (12. Jahrhundert) und gelten als eines der wenigen erhaltenen weltlichen Bauwerke der Franken auf Zypern.

  
Fränkische Bäder.

 

Damit war das Kulturprogramm dieses Tages abgeschlossen. Den Rest der Zeit verbrachte ich damit, noch ein wenig am Meer entlangzuwandeln, in einem Restaurant am Hafen ein sehr gutes Lammkotelett zu verspeisen und dabei den kleinen Fischen und anderem Meeresgetier beim Herumschwimmen im Hafenbecken zuzusehen, um anschließend noch einmal ein wenig in der anderen Richtung am Meer entlangzuwandeln. Da ich meine Sonnencreme schon irgendwo tief im Koffer vergraben hatte, habe ich mir dabei noch einmal einen richtig schönen Sonnenbrand geholt, der mich in den nächsten Tagen dazu zwang, mit gerötetem Kopf durch Berlin zu spazieren.


Pelikan vor Hafenrestaurant.

 

Transfer und Flug verliefen reibungslos und kurz nach 23 Uhr kam ich in Berlin an. Hier werde ich noch das Wochenende verbringen, mich mit einer alten Freundin treffen, die jetzt hier lebt (quasi meine Sandkastenliebe) und ein bisschen Sightseeing betreiben. Vom Sightseeing-Teil gibts dann vielleicht auch noch einen Bericht. Bis dahin verabschiede ich mich erstmal und hoffe, euch mit meinen Reiseberichten etwas unterhalten zu haben.

Die Fotos der letzten beiden Tage findet ihr auf razzi.me.